Wenn die Pegelstände niedrig sind, zeigt sich die Vermüllung des Rheins besonders deutlich. Foto: DPA
Wenn die Pegelstände niedrig sind, zeigt sich die Vermüllung des Rheins besonders deutlich. Foto: DPA
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Wenn die Pegelstände niedrig sind, zeigt sich die Vermüllung des Rheins besonders deutlich. Foto: DPA

Friedrichshafen, Samstag, 11. August 2018

Das große Reinemachen am Rhein

An und in Deutschlands längstem Fluss findet sich tonnenweise Müll. Eine Initiative will nun an einem Aktionstag aufräumen.

von PETRA WALHEIM

Am Ufer der Donau, des Neckars, des Rheins oder des Bodensees zu feiern, macht Freude. Das Wasser bringt etwas Abkühlung, auch ohne Bad darin. An manchen Uferstellen gibt es Grill- und Spielplätze, an anderen nicht. Gefeiert wird trotzdem. Die Leute schleppen Grillgut, Bierkisten und –dosen, Getränkeflaschen aller Art und alles, was zum Feiern gebraucht wird, an das Gestade, und lassen es sich gut gehen. Wenn genug gefeiert wurde, werden im günstigen Fall die Sachen wieder eingepackt, und der Platz wird sauber verlassen.

Die Erfahrung zeigt jedoch, dass das die Ausnahme ist und die Feiernden immer wieder abziehen, ohne sich um den Müll zu kümmern. An jedem sonnigen und warmen Wochenende bleiben an Fluss- und See-Ufern Tonnen von Papier, Plastik- und anderem Müll liegen. Dem möchte die Initiative „RhineCleanUp“ entgegenwirken. Ihr Ziel ist es, die Ufer des Rheins auf den gesamten 1233 Kilometern Fluss-Länge wenigstens für einen Tag vom Müll zu befreien. Deshalb ruft sie alle Menschen, die am Rhein leben, die Sauberkeit lieben und etwas für die Umwelt tun möchten, dazu auf, sich am 15. September mit Müllsäcken, Greifern, Handschuhen und Warnwesten auszurüsten und am Rhein den Müll einzusammeln. Davon gibt es reichlich. „Über eine Million Kilogramm Müll werden jedes Jahr vom Rhein in die Nordsee gespült“, sagt Joachim Umbach, einer der vier Initiatoren der Saubermach-Aktion. Der Müll von den Ufern sei da noch nicht dabei. Weltweit werden laut Umbach jährlich vier Milliarden Tonnen Müll in der Natur entsorgt.

Weil der Rhein Teil des Bodensees ist, stellte Umbach die Aktion gestern in Friedrichshafen vor. Der freie Journalist und Projektbegleiter ist auf Werbe-Tour, versucht, möglichst viele Kommunen am Rhein dafür zu begeistern. „Hier am See beteiligt sich bis jetzt nur Konstanz“, räumt er ein. Doch er hofft auf das Interesse weiterer Kommunen.

„Mitmachen kann jeder“, betont er. Initiativen, Gruppen, Vereine, Einzelpersonen.“ Wichtig ist, dass sich die Teilnehmer anmelden, damit sie mit den örtlichen Müllentsorgern vernetzt werden können. „Nichts wäre schlimmer, als wenn die Leute Müll einsammeln und der wird dann nicht entsorgt.“ Das Handwerkszeug fürs Müllsammeln werde von Sponsoren finanziert, sagt Umbach. Das Ziel sei, jeden, der sich anmelde, damit zu versorgen.

Um einen Überblick zu bekommen, wie viel Müll an dem Tag an 2466 Kilometern Rheinufer gesammelt wurde, können die Müllsammler das Gewicht ihres Abfalls auf einer Internetseite eingeben, die noch im Aufbau ist.

„Das ist ein ziemlich großes Rad, an dem wir da drehen“, sagt Umbach. Doch es sei dringend notwendig, die Vermüllung der Fluss-Ufer einzudämmen. Dabei sei betont, dass das nicht nur für den Rhein gilt, sondern für sämtliche Flüsse und Seen, Wälder und Wiesen. Umbach ist klar, dass das Müllproblem mit dieser Aktion nicht gelöst werden kann. „Aber sie nützt der Bewusstseins-Bildung.“ Die Aktion wolle ein Signal setzen. „Wir benutzen den Rhein, um auf die Problematik hinzuweisen und den Leuten klar zu machen: Nehmt bitte Euren Müll wieder mit nach Hause, damit ihn nicht andere einsammeln müssen.“

Geboren worden sei die Idee zu der Aktion vor einem Jahr, sagt Umbach. Er lebt in Düsseldorf, wo es seit 20 Jahren einen Dreck-Weg-Tag gibt, an dem sich bis zu 10 000 Menschen beteiligen. Diese erfolgreiche Aktion möchten die Initiatoren nun auf den gesamten Rhein auszuweiten. Auch Bregenz in Österreich, Basel in der Schweiz und Straßburg in Frankreich sind schon mit dabei. „Hier am See ist das Interesse noch etwas dünn“, klagt Umbach. Am Mittel- und Niederrhein hätten bereits 15 Städte zugesagt.

Der Rhein-Reinemach-Tag ist angelehnt an den „World Cleanup Day“, den alljährlichen weltweiten Reinemach-Tag, der immer am 15. September stattfindet. 2008 wurde er zum ersten Mal veranstaltet. In diesem Jahr beteiligt sich erstmals auch Deutschland daran.

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