Autorenfoto Foto: Christian Käsmayr
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Ulm, Samstag, 11. August 2018

Schlaf-Unterlage

von GERLINDE BUCK

Das im vorigen Jahrhundert weithin beliebte Bett im Kornfeld ist leider irgendwie auf der Strecke geblieben. Gut, dieses Jahr ist es kein Wunder. Die potenzielle Outdoor-Liegestatt wurde einem beizeiten unterm Hintern weg gemäht, da war keine Zeit zum Träumen im Heu, zwischen Blumen und Stroh.

An der frühen Ernte liegt es aber nicht nur, dass selbst junge Menschen heutzutage nicht mehr ohne weiche Daunen durch die Nacht kommen. Die Schlaf-Unterlage ist zum Kultobjekt mutiert. Kinder werden nicht nur auf Händen getragen, sondern auf Halbmond-Lagerungsstützkissen in Elfenrosa oder Walblau gebettet, wahlweise mit oder ohne Schlafschlange als Kuschel-Airbag. Der Druck, selig durchzuschlafen, wird durch das Schlummerschäfchen Luna noch erhöht, was den einen oder anderen Säugling aber nicht daran hindert, es instinktiv zum Schreien zu finden. Erwachsene hingegen wollen so krampfhaft zur Ruhe kommen, dass sie sogar entwürdigende Matratzenpersönlichkeitstests ausfüllen: Wie viel wiegen Sie? Welcher Körperform ordnen Sie sich zu?

Häufige Folge: schlaflose Nächte wegen Mogelns bei Kilos und Ausmaß. Ein schlechtes Gewissen ist eben alles andere als ein sanftes Ruhekissen.

Vielleicht ist ja doch noch irgendwo ein Bett im Kornfeld frei. Vielleicht sogar in der Form „kantiger Apfel“? Allein schon der Gedanke ist traumhaft. Chr.

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