700 Wölfe leben im südlichen Polen. Foto: Carsten Foto: Carsten Rehder/dpa
700 Wölfe leben im südlichen Polen. Foto: Carsten Foto: Carsten Rehder/dpa
700 Wölfe leben im südlichen Polen. Foto: Carsten Foto: Carsten Rehder/dpa
700 Wölfe leben im südlichen Polen. Foto: Carsten Foto: Carsten Rehder/dpa

Przyslup, Donnerstag, 12. Juli 2018

Angriff durch angelockten Wolf

Eine Forscherin kritisiert Fotosafaris in Polen, für die die Tiere mit Fleischködern an Menschen gewöhnt werden.

von JENS MATTERN

Der Wolf, der Ende Juni in Polen zwei Kinder angefallen hat, soll für Fototouristen angefüttert worden sein. Das hat die polnische Wolfsforscherin Sabina Nowak dem „Wirtualna Polska“ gesagt. Nahe dem Angriffsort sei eine Stelle, zu der Wölfe mit Ködern gelockt werden.

Der Wolf, der zwei Kinder nahe dem Dorf Przyslup und zwei Wochen zuvor eine Frau gebissen hat, hatte sich wochenlang in der Gegend des Bieszczady-Gebirges bewegt. Er hatte keine Scheu vor Menschen gezeigt. Jäger erschossen ihn nach dem Angriff.

Nowak, die Vorsitzende des „Verbands für die Natur – Wolf“, kritisierte, dass sich in der Region mit einer bereits 700 Tiere starken Wolfspopulation ein Geschäft verbreitet habe. Auf Safaris gebe es bereits Fotografiermöglichkeiten von Bären, Luchsen und Wölfen. Deutsche Fotografen zahlten mehrere tausend Euro dafür. Solche Fotoreisen werden unter anderem von dem Anbieter „Naturblick“ vermittelt.

Um schnell ein gutes Foto zu ermöglichen, gebe es Menschen, die die Wölfe und andere Raubtiere regelmäßig mit Fleisch fütterten, sagte Nowak. Der Wolf verliere dann seine natürliche Scheu. Sie verwies auf zwei Wölfe in Polen und Deutschland, deren Auswilderung misslang, da sie diese Scheu abgelegt hatten.

Peter Scherbuk, der Besitzer des Foto-Reise-Anbieters und Verlags „Naturblick“, widerspricht der Angabe, Wolfsreisen zu organisieren. „Wir sind auf Greifvögel spezialisiert, dafür wird dann auch Fleisch ausgelegt“, sagte er auf Anfrage. Dann komme auch mal ein Wolf den Fotografen „vor die Linse“. Auf der Naturblick-Internetseite wird für die „Waldkarpatenreise“ jedoch mit einem Wölfe-Foto geworben.

Das wenig dicht besiedelte Polen hat vor allem im Osten des Landes viele Wildnisgebiete. Sie weisen eine größere Artenvielfalt auf als westeuropäische Länder.

Der Angriff war die erste Attacke in Polen in der Nachkriegszeit. Untersuchungen haben ergeben, dass der Wolf aus der Region stammte, kein Hybrid und gesund war, wenn auch die Klauen beschädigt waren.

In der südostpolnischen Region mehren sich nun Meldungen, dass Wölfe nahe an Siedlungen herankommen, auch am helllichten Tag. So auch am Sonntag nahe dem Städtchen Sanok: Ein Wolf habe bei Kindern panische Reaktionen hervorgerufen. Einige Bewohner der Gegend wollen die Sache in die eigene Hand nehmen und Fallen sowie vergiftete Köder auslegen.

Der Verband für die Natur – Wolf ruft auf seiner Internetseite hingegen dazu auf, Wolfsfotos, die bei Fütterungen entstanden sind, nicht mehr auf Facebook zu liken. Jens Mattern

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