Fasten mit Unterbrechungen: Bei der 16:8-Methode darf 8 Stunden am Tag gegessen werden und 16 Stunden nicht. Foto: Sliced plate/clock showing 9-5with foods on slice GETTY_IMAGES_DE - 16.01.2014 To illustrate fasting by eating at certain hours. Shows all the foods you could eat in 1 day. Intervallfasten, FastenGetty Images
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Ulm, Dienstag, 13. Februar 2018

Verzicht mit Pausen

Intervallfasten ist zurzeit in aller Munde. Eine Vielzahl von Ratgebern verspricht wahre Wunder. Das Prinzip klingt verlockend einfach – was dahintersteckt.

von VON GUDRUN SOKOL

Können Sie sich einen Höhlenmenschen mit Wampe vorstellen? fragt die Hamburger Ökotrophologin Bettina Snowden und liefert die Antwort in ihrem Ratgeber „Schlank durch Intervallfasten“: Natürlich hatten unsere Vorfahren – im Gegensatz zu uns – nicht immer und überall die Möglichkeit zu essen. Geschlemmt haben sie trotzdem. Dazwischen gab es aber längere Zeiten des Hungerns, in denen Reserven abgebaut wurden.

Das ist das Prinzip des Intervallfasten – auch „intermittierendes Fasten“ genannt: Es kommt weniger darauf an, was und wie viel man isst, sondern wann man das tut. Und zwar nicht etwa morgens wie der Kaiser, mittags wie ein König und abends wie ein Bettelmann, wie der Volksmund empfiehlt. Sondern nur an bestimmten Tagen in der Woche oder während eines festen Zeitfensters am Tag. In diesen Kurz-Fasten-Phasen soll der Körper wieder lernen, von seinen Depots zu leben, den Zucker- und Fettstoffwechsel anheizen und gleichzeitig den körpereigenen Heil- und Reparaturprozessen ihren Lauf lassen.

Zehn Kilo in zwei Monaten

Wer das über längere Zeit praktiziere, nehme dauerhaft ab – ohne Kalorienzählen, ohne Jojo-Effekt und sogar ohne Sport, werben die neuen Ratgeber. Auch der Medien-Mediziner Eckhardt von Hirschhausen zeigt sich begeistert: Dank Intervallfasten habe er zehn Kilo in zwei Monaten abgenommen, breitete der 50-Jährige kürzlich in der Zeitschrift „Gesund Leben“ aus.

Die gängigste Form des Intervall-Fastens ist die 5:2-Diät: An zwei Tagen in der Woche wird nichts gegessen, an fünf Tagen wie gewohnt. Ebenfalls beliebt: die 16:8-Methode, die die Essenszeiten ausschließlich zwischen 12 und 20 Uhr (also für 8 Stunden) erlaubt. Das bedeutet, dass der Körper in der anderen Zeit (immerhin 16 Stunden) keine Nahrung bekommt.

Erst, wenn die Verdauung abgeschlossen sei, könne ungestört die körpereigene Recyclingphase stattfinden: Dann mache sich ein Entsorgungstrupp in Form von Enzymen auf den Weg, verbrenne eingelagertes Körperfett – so die Erklärung des Prinzips. Werde dieser Zyklus durch ein Frühstück durchbrochen, könne dieser Selbstreinigungsprozess (auch „Autophagie“ genannt) nicht stattfinden. Und mehr noch: Es lagerten sich weitere Abfallstoffe in Zwischenzellräumen und Bindegewebe an. „Schnitzelfriedhof“, nennt das von Hirschhausen und sagt: „Ich will nicht mein eigenes Endlager sein.“

Anhänger der neuen Fasten-Praxis gibt es immer mehr, eine davon ist Petra Bracht, Ärztin für Allgemeinmedizin und Naturheilverfahren aus Bad Homburg. Ein bisschen liest sich ihr Buch „Intervallfasten – für ein gesunden, langes Leben“ wie ein Heilsversprechen gegen allerlei Leiden: Von A wie Akne und Asthma über Bluthochdruck, Depression, Herzkrankheiten, Migräne, Rheuma, Schlafstörungen, Sodbrennen und Verstopfung bis hin zur Zuckerkrankheit – Intervallfasten hilft ihren begeisterten Beschreibungen zufolge gegen ziemlich viel, was den Menschen heutzutage zusetzt. Typische Zivilisationskrankheiten eben.

Wildtiere werden nicht fett

Dass sich unter Ärzteschaft und Pharma-Industrie wenige Anhänger für dieses einfache Prinzip zu einem angeblich gesünderen und längeren Leben finden, versteht sich. Logisch klingt es aber trotzdem, dass es wohl besser ist, wenn unser Körper – wie der unserer Vorfahren und der von all den Tieren in freier Natur (Fettleibigkeit gibt es nur bei Haus- und Zuchttieren) – nicht dauernd zu essen bekommt.

Außerdem: Es klingt so unglaublich logisch, einfach und unabhängig. Man ändert einfach seinen Ess-Rhythmus, lässt das Frühstück weg, das im Englischen nicht ohne Grund „breakfast“ (Fastenbrechen) heißt und begnügt sich mit der Nahrungsaufnahme zwischen 12 und 20 Uhr. Reicht im Prinzip, um nicht hungern zu müssen. Oder man fastet nur an einzelnen Tagen und kann sich auf das Essen mit Genuss an den anderen Tagen freuen.

Gute Laune beim Fasten

Freilich kann (oder muss) man den Rhythmus der Essens- und Fastenphasen selbst festlegen und dem eigenen Schlaf-, Wach- und Arbeits-Rhythmus anpassen. Ernährungswissenschaftlerin Snowden betont, dass es für jemand, der morgens mit wackligen Knien aus dem Haus geht, wenn er nichts gegessen hat, wenig Sinn macht, aufs Frühstück zu verzichten. In jedem Fall aber bedeutet Intervallfasten nicht, permanent verzichten zu müssen.

Das sorge letztlich für gute Laune beim Fasten, sind sich die Ratgeber einig. Autorin Bracht liefert die entwicklungsgeschichtliche Begründung: In Zeiten der Hungersnot durfte der Mensch auf keinen Fall noch in Hoffnungslosigkeit verfallen. Daher bilde der fastende Körper mehr Stimmungs-Aufheller-Serotonin.

Wenn alles so einfach wäre, bräuchte man freilich nicht alle Frühjahr wieder neue Diät- und Fasten-Ratgeber, die auf ernährungsphilosophischer Mission unterwegs sind. Denn eines steht fest: Um abzunehmen, muss der Körper weniger Kalorien bekommen als er verbraucht. Wann und wie auch immer.

Info Bettina Snowden, „Schlank durch Intervallfasten – Alle Methoden im Vergleich“, 14.99 Euro, Trias-Verlag Dr. Petra Bracht, „Intervallfasten – für ein gesundes, langes Leben“, 14.99 Euro, Gräfe und Unzer-Verlag, ab 7. März.

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