Sitzblockade im Sudan
<p>Demonstranten und Soldaten sitzen und stehen auf einem Militärfahrzeug vor dem Verteidigungsministerium in Khartum. Foto: Ala Kheir</p>

Demonstranten und Soldaten sitzen und stehen auf einem Militärfahrzeug vor dem Verteidigungsministerium in Khartum. Foto: Ala Kheir

Khartum, 15.04.2019

Berichte: Militär im Sudan versucht Sitzblockade aufzulösen

«Revolution am Nil»

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(dpa) - Das Militär im Sudan hat Augenzeugen zufolge vergeblich versucht, Teile der Sitzblockade vor der Zentrale der Streitkräfte in der Hauptstadt Khartum zu räumen.

Die Soldaten wollten am Montagmorgen von den Demonstranten errichtete Barrieren abbauen, gaben aber angesichts des Widerstands der Menschen auf dem Platz auf, wie zwei Augenzeugen unabhängig voneinander berichteten.

Die Organisatoren des Protestes, das Gewerkschaftsbündnis SPA, appellierten in einer Twitter-Nachricht an alle Unterstützer, die Sitzblockade rasch zu verstärken, um die Errungenschaften der «Revolution» zu verteidigen. Auf dem Platz sollen sich Augenzeugen zufolge weiter Tausende Demonstranten aufhalten.

Die seit rund zehn Tagen andauernde Sitzblockade war einer der Massenproteste infolge derer das Militär vergangenen Donnerstag Langzeitpräsident Omar al-Baschir absetzte. Der seither regierende militärische Übergangsrat hat die Demonstranten bislang gewähren lassen. Erst am Sonntag ermahnten die USA und andere Nationen die Streitkräfte, von Gewalt gegen die friedlichen Proteste abzusehen.

Die Generäle bemühen sich derzeit, in Gesprächen mit Vertretern der Opposition eine gemeinsame Übergangsregierung zu bilden. Als Zugeständnis erklärte das Militär, der Ministerpräsident solle ein von allen Parteien ausgesuchter Experte werden. Der Präsident hingegen soll aus den Reihen der Streitkräfte kommen. Das Bündnis SPA fordert jedoch eine komplett zivile Regierung.

Zudem darf sich die Partei des abgesetzten Langzeitpräsidenten Omar al-Baschir nach dem Willen der Streitkräfte nicht an der geplanten Übergangsregierung im Sudan beteiligen. Die Nationale Kongresspartei könne sich aber bei den nächsten Wahlen erneut bewerben, erklärte ein Sprecher des militärischen Übergangsrats am Sonntagabend. Zudem soll der beim Volk verhasste Geheimdienst NISS reformiert werden, so der Sprecher.

Das Angebot der Militärführung hinsichtlich eines zivilen Regierungschefs stellte eine Zusage an die Opposition dar, ging vielen jedoch nicht weit genug. Das Gewerkschaftsbündnis SPA, das die jüngsten Massenproteste federführend organisiert hat, fordert einen kompletten Übergang der Macht in zivile Hände.

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