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Foto: Silke Thiercy

Balingen, 09.02.2019

Die Fotos vom EAV-Konzert in der Balinger Volksbankmesse

Die Kultband Erste Allgemeine Verunsicherung begeisterte bei ihrem Abschiedskonzert am Freitagabend mit ihrem Rocktheater vor ausverkauftem Haus.

von Silke Thiercy  

Das muss man auch erstmal bringen: sich zum eigenen Liveauftritt im Sarg auf die Bühne tragen lassen. „Erste Allgemeine Verunsicherung“-Frontmann Klaus Eberhartinger hat‘s gebracht und weit über zwei Stunden lang quicklebendig die Fans in der rappelvollen Volksbankmesse mitgenommen auf Zeitreise – „1000 Jahre EAV“. Oder anders gesagt: die Truppe ist auf Abschiedstour. Der ersten.

Kommt in einem Sarg bei seinem „Abschiedskonzert“ auf die Bühne: EAV-Sänger Klaus Eberhartinger.
Kommt in einem Sarg bei seinem „Abschiedskonzert“ auf die Bühne: EAV-Sänger Klaus Eberhartinger. Foto: Silke Thiercy

„Alles ist erlaubt.“ Das Tourmotto auf Eberhartingers schwarzem T-Shirt verschwand bei fast jedem Song aus den mittlerweile 41 Jahren Bandgeschichte unter einem anderen Kostüm. Die „Trauergemeinde“ war begeistert. Und feierte Hits, die die Österreicher groß gemacht haben.

„Ba-Ba-Banküberfall.“ „Küss die Hand, schöne Frau.“ Seit den 1980ern reiten die Österreicher damit ganz vorne auf der Erfolgswelle. Und können doch auch ganz anders. Sozialkritisch. Makaber. Mit einem Augenzwinkern.

Am Anfang der Karriere brachte das das Tschernobyl-kritische Lied „Burli“ den Musikern einen Platz auf der roten Liste vieler Radiosender ein. Trotzdem wurden die verbotenen Lieder Hits. Die bis heute ziehen.

Und gemischt mit den neuen Stücken vom brandneuen Album für allerbeste Stimmung bei den Scharen sorgten, die am Freitagabend zum Teil hunderte Kilometer weit nach Balingen gepilgert waren. Zu einer Band, die 1977 als linksliberales, anarchistisches Musikrocktheater an den Start ging.

Eberhartinger plauderte aus dem Nähkästchen. Davon, wie es anfangs war, kein Geld zu haben. Und dann der sich erfüllende Traum: im Radio und sogar im Fernsehen aufzutreten. Vier Jahrzehnte später weiß die Truppe immer noch, wie man die Fans von den Sitzen reißt.

Die Band wusste, wie sie Stimmung in das sitzende Publikum bringen kann.
Die Band wusste, wie sie Stimmung in das sitzende Publikum bringen kann. Foto: Silke Thiercy

Auch mit Wortwitz. Schließlich „ist das Böse immer und überall“ und in jedem Menschen stecke eine kriminelle Krampfader.

Den Trick der Politik hat die EAV längst durchschaut. „Eine Hand wäscht die andere, das Volk wird eingeseift.“ Auf der Bühne der Politik regierten die Meister der Magie, die ‚Unehrlich Brothers‘ lassen Millionen verschwinden.

Ganz dick bekommen es traditionell die US-Präsidenten ab. Der erste, dem die Österreicher einen Song gewidmet haben, war George Bush. Dass er den mal vermissen würde, hätte Eberhartinger nicht gedacht. Aber nun habe da drüben im großen Disneyland Entenhausen für Donald gestimmt.

Tosender Applaus für das Lied über „den Horrorclown am roten Knopf“ und die „Frohnatur mit Strohfrisur“, die so gerne im Zwielicht stehe, weil da das Heu, das ihm durch die Schädeldecke wachse, so schön strahle.

Bissig sind sie, die Verunsicherer. Politisch. Ganz nah am Zeitgeschehen. Auch wenn der Frontmann scherzt, dass er in seinem Alter mit der Hand im Blumentopf schlafe, um sich schon mal an die Erde zu gewöhnen.

Nein, die Band ist alles andere als tot. Im Gegenteil. Sie berühren. Dann nämlich, wenn sie daran erinnern, dass wir seit 70 Jahren in Frieden leben. Da sei ein bisschen Platz für Dankbarkeit und Frieden schon angebracht.

Und die Warnung vor einem neuen resistenten Erreger, schlimmer als Pest und Cholera, der dabei sei, Europa zu durchseuchen. Der „Bazillus Nationalis“, ein braunes Pilzgewächs.

Sie sind seit 42 Jahren gemeinsam auf der Bühne: die Musiker von EAV.
Sie sind seit 42 Jahren gemeinsam auf der Bühne: die Musiker von EAV. Foto: Silke Thiercy

Ohne Pause ziehen die Legenden den Auftritt durch. Und liefern nach zwei Stunden quicklebendig „Küss die Hand, schöne Frau“.

Ein echtes Schauspiel, wenn im Rotlichtmilieu der Unterweltfrosch Karl Quappone erstmal die Kröten zücken muss, um die Gunst der Prinzessin vom Gewerbse zu erlangen.

Die Gunst der Fans hat die EAV. Felsenfest. Da ist ans Aufhören nicht zu denken und so werden die Musiker mit dem Tourbus weiter auf Abschiedstournee gehen. Der ersten eben.

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