Ratshausen, 12.01.2019

Wo brütet denn nun die Heidelerche?

Eine Sprengung, zwei Vögel, viel Verwirrung: Paul Dannecker aus Ratshausen hinterfragt Holcims Gutachten kritisch.

Dass es die Heidelerche auf dem Plettenberg gibt, da sind sich Gutachter, Vogelkundler und Naturschutzbehörden einig. Aber das scheint der einzige gemeinsame Nenner in Sachen streng geschützter Vogelart zu sein.

Denn wo das seltene Tier brütet, ob sein Gelege nun innerhalb oder außerhalb der Erweiterungsfläche liegt, variiert je nach Quelle.

Paul Dannecker aus Ratshausen ist fast täglich auf seinem Hausberg unterwegs, nimmt sich Zeit und beobachtet die Vogelwelt intensiv. Als er im Mai des vergangenen Jahres gesehen hat, wie in der Nähe eines Heidelerchen-Brutreviers gesprengt werden soll, informierte er umgehend das Balinger Landratsamt.

Die Sprengung konnte er nicht mehr verhindern, zu aufwendig wäre es gewesen, den Sprengstoff wieder aus dem Boden zu entfernen, sagte ihm die Behörde damals.

Pressesprecherin Marisa Hahn erläutert auf Nachfrage: „Die Sprengung Ende Mai 2018 hat im Rahmen der bestehenden Abbaugenehmigungen stattgefunden und war der Naturschutzbehörde bekannt. Die Auswirkungen auf die Heidelerche wurden durch ein Monitoring erfasst und begleitet.“

Dieses Monitoring habe die Firma AG LN Tränkle übernommen, das Gutachterbüro, das auch die notwendigen Unterlagen zur Süderweiterung für die Firma Holcim erstellt. „Während der Brutsaison wurde der Heidelerchenstandort innerhalb des Steinbruchgeländes mehrfach auf das Brutgeschehen hin durch das Fachbüro sowie durch die Mitarbeiter des Naturschutzes überprüft“, erklärt Marisa Hahn.

„Erhebliche negative Auswirkungen auf das Brutgeschehen der Heidelerche konnten in der Folge nicht festgestellt werden.“

Eine Aussage, die Paul Dannecker so nicht stehen lassen will. „Die Sprengung war am 31. Mai, der letzte eingetragene, nach meiner Beobachtung vier Minuten lange Besichtigungstermin der Gutachter war am 1. Juni. Die Brutzeit der Heidelerche dauert aber länger an“, sagt er.

Der Vogel habe das Nest, das sich im Weg der Sprengfahrzeuge befunden habe, daraufhin aufgegeben. „Das Brutpaar hat versucht, ein zweites Gelege anzulegen und sich dabei Revierkämpfe mit einem anderen Vogelpaar geliefert“, schildert Dannecker. Dass der zweite Versuch erfolgreich gewesen sei, glaubt der Vogelexperte nicht. Und nicht nur die Heidelerche, auch der ebenso streng geschützte Steinschmätzer habe dort gebrütet.

Das Landratsamt wiederum kommt zu einem gänzlich anderen Schluss: „Nach den uns vorliegenden Angaben befand sich der Brutstandort im Bereich eines Erdwalls am südlichen Rand der abgeschobenen Flächen innerhalb des genehmigten Steinbruchgeländes.

Die seinerzeitige Sprengung fand an der Bruchkante der 980-Meter-Sohle und in räumlich ausreichender Entfernung zum Brutstandort statt. Fahrbewegungen im Bereich des Erdwalls konnten nicht festgestellt werden.“

Paul Dannecker kann das nicht nachvollziehen. „Auf einer Karte, die das Gutachterbüro im Mai veröffentlicht hat, ist überhaupt kein Brutplatz der Heidelerche eingetragen“, sagt er.

Dabei hätten die Gutachter bereits 2017 vermeldet, die Heidelerche hätte sich nun auf dem Plettenberg angesiedelt. „Die gibt's da seit 40 Jahren“, sagt Dannecker. Auf einer Karte vom Juni schließlich sei plötzlich ein Brutplatz vorhanden, allerdings rund 100 Meter weit von dem Platz weg, an dem Dannecker das Gelege dokumentiert hat.

Der Brutplatz, von dem das Landratsamt bei der Beurteilung der Sprengung ausgehe, sei nicht der der Heidelerche, sondern der eines Neuntöters gewesen.

Welche Auswirkungen die Brucherweiterung auf das Vogelschutzgebiet haben, prüfe das Landratsamt, sagt Marisa Hahn. Generell dürfen sich dadurch keine Verschlechterungen ergeben.

Auch die Ermittlungen in Sachen Gehölz-Rückschnitt, die 2017 für Wirbel gesorgt hatten, wurden erneut aufgenommen. „Neue Vorbringungen“ hätten dazu geführt, bestätigt Markus Engel, Sprecher der Staatsanwaltschaft in Hechingen auf Anfrage.

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Plettenbergabbau.

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