Was man einem Kleinkind schenkt

Was man einem Kleinkind schenkt

Für Erwachsene ist es nicht einfach, das richtige Geschenk für kleine Kinder zu finden. Gut zu wissen, dass die Klassiker noch funktionieren.

von John Warren  

Besonders bei Kindern unter drei Jahren sind Erwachsene öfter ein wenig orientierungslos. Hilfe bei der Spielzeugauswahl bietet „spiel gut“. Der von der Industrie unabhängige Verein mit Sitz in Ulm zeichnet Spielzeug von guter Qualität aus. Neben dem grundsätzlichen Kriterium Sicherheit achtet „spiel gut“ darauf, ob Spielzeug kindgerecht ist. Ein Patentrezept sind die Empfehlungen nicht. Da jedes Kind einzigartig ist, gilt vor dem Spielzeugkauf: beobachten und einfach mal mitspielen.

Einfache Geschenke sind oft die besten.
Einfache Geschenke sind oft die besten. Foto: ddimitrova/Pixabay

Auswahl Während Eltern ihr Kind täglich sehen und sich leicht tun mit der Auswahl, haben es Großeltern schwerer. Vor allem, wenn sie den Enkel nur selten treffen. Eine Einjährige ist beispielsweise von einem Brummkreisel fasziniert, kann ihn aber nicht selbst bedienen – das führt zu Frust. Hier gilt es zu beobachten: Interessiert sich das Kind für Fahrzeuge, Tiere, Bälle?

Kinder in einem ähnlichen Alter können Anhaltspunkte liefern, sind aber keine Garantie – denn jedes Mädchen und jeder Junge hat seine eigene Entwicklung. Am einfachsten macht man es sich, wenn man bei den Eltern fragt, was sie gerne als Geschenk für das Kind hätten. Man darf aber auch ruhig eigene Akzente setzen: Hört man nur auf die Eltern des Kindes, kann das zu einseitigen Geschenkfeldern führen.

Die Klassiker Viele Spielzeuge für Kleinkinder kennen Eltern aus ihrer eigenen Kindheit. Eines der bekanntesten ist das Bobby-Car, das seit den 1970er-Jahren zum Inventar deutscher Haushalte gehört. Das Rutschauto aus Kunststoff ist weiterhin ein gutes Spielzeug, das wegen der Kniemulde auch „spiel gut“ positiv einschätzt. Durch diese wird auch größeren Kindern das Benutzen ermöglicht.

Ein weiterer „Evergreen“ in Kinderzimmern sind Duplo-Bausteine. Die regen die Kreativität der Kinder an. Unnötig findet „spiel gut“ jedoch die Sets, die Zahlen auf den Steinen haben. „Die Kleinen können damit noch nichts anfangen, die größeren Kinder spielen dann schon nicht mehr mit Duplo – das ist ein Altersbruch und bringt Unruhe rein.“

Eine Alternative zu Duplo sind Bausteine aus Kork. Die Vorteile: Beim Spielen machen sie weniger Krach, und durch die Oberfläche des Materials haften die Bauklötze leicht aufeinander. Dazu kommt, dass Kork ein nachhaltiger Stoff ist, der nachwächst.

Weltbild Ein Erstarken der rosa-blauen Kinderwelt hat nicht nur der Ulmer Verein beobachtet. Auch die Initiative „Pinkstinks“ prangert an, dass sich bei Kleidung und Spielzeug die Warenpalette teilt in rosa und pink für Mädchen sowie blau und grün für Jungs. „Es gab noch nie ein so starkes Gender-Marketing wie zurzeit“, sagt Stevie Schmiedel, Gründerin von „Pinkstinks“.

„Spiel gut“ nimmt bestimmte Spielzeuge gar nicht erst in seine Bewertungsliste auf. Etwa dann, wenn ein Spielzeug ein Weltbild vermittelt, mit dem der Verein nicht einverstanden ist. Das können zum Beispiel Produkte sein, die Gewalt verherrlichen oder klischeehafte Rollenbilder vermitteln wie Barbiepuppen.

Fazit Nur weil ein Spielzeug nicht ausgezeichnet wird, heißt das noch lange nicht, dass es dem Kind in irgendeiner Weise Schaden zufügt. Ein kindgerechtes Spielzeug ist eines, mit dem das Kind lange und aus eigenem Willen spielt. „Spiel gut“ empfiehlt auch, Altersangaben der Hersteller kritisch zu hinterfragen: Nur weil ein Spielzeug vom Hersteller für zweijährige Kinder angeboten wird, heißt das nicht, dass ein Dreijähriger dafür schon zu groß ist.

Die Spielzeugexperten raten zudem, lieber weniger Geschenke zu kaufen und dafür bessere, die auch mal ein wenig mehr kosten dürfen. Generell kriegen Kinder zu viele Geschenke. Da sei es besser, eine Erweiterung zu einem Spielzeug zu kaufen, das bereits im Besitz ist. Oder ein Kinderbuch – davon kann man kaum zu viele haben.

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