Plettenberg-Gutachten wirft Fragen auf

Hausen am Tann/Ratshausen, 05.10.2018

Plettenberg-Gutachten wirft Fragen auf

Die Gemeinden Hausen und Ratshausen haben Fachleute zu Rate gezogen: Sie fürchten um ihr Wasser, wenn der Kalksteinabbau nach Süden rückt.

von Nicole Leukhardt und Daniel Seeburger  

Während die Firma Holcim derzeit damit beschäftigt ist, weitere, vom Landratsamt angeforderte Unterlagen für ihren Antrag auf die Süderweiterung des Steinbruchs auf dem Plettenberg zu beschaffen, stellt ein neues Gutachten bereits dargelegte Fakten wieder in Frage. Am Donnerstag trug Ratshausens Bürgermeister Heiko Lebherz die Ergebnisse des Gutachtens Gemeinderat vor.

Der Wasserhochbehälter am Vorderen Wiesenweg in Ratshausen wird zur Hälfte mit Quellwasser vom Plettenberg gespeist. Das übrige Wasser kommt aus Quellen vom Ortenberg.
Der Wasserhochbehälter am Vorderen Wiesenweg in Ratshausen wird zur Hälfte mit Quellwasser vom Plettenberg gespeist. Das übrige Wasser kommt aus Quellen vom Ortenberg. Foto: Daniel Seeburger

Die Gemeinden Hausen und Ratshausen, die beide in Sachen Süderweiterung gehört wurden, sind um ihre Quellfassungen besorgt. Sie befürchten, dass die Süderweiterung des Kalksteinbruchs negative Folgen für die Wasserqualität der Eigenwasserversorgung haben könnte. Um dem auf den Grund zu gehen, haben die beiden Gemeinden ein eigenes Gutachterbüro damit beauftragt, das hydrogeologische Fachgutachten der Firma Holcim auf Herz und Nieren zu prüfen. Denn dieses kam zunächst zum Schluss, dass die Quellfassungen beider Gemeinden durch die Süderweiterung nicht betroffen seien.

Defizite

Die von Hausen und Ratshausen beauftragten Fachleute des Büros HPC aus Rottenburg sehen das anders. Sie attestieren dem Holcim-Gutachten Defizite. Zwar entsprächen die Methoden üblichen, fachlichen Standards und Methoden, auch die Ergebnisse seien lobenswert gut dokumentiert, schreiben die Experten.

Allerdings würden Aussagen zur Fließrichtung des Grundwassers und damit zur Lage von Quelleinzugsgebieten getroffen, ohne dass Probebohrungen erfolgt seien oder Grundwassermessstellen eingerichtet worden waren. Zumindest drei solche Stellen wären üblich, erklären die Rottenburger. Zudem fände man in dem ersten Gutachten in sich widersprüchliche Aussagen zu den Einzugsgebieten der Quellen. Grundlage des Holcim-Gutachtens sei ein mit wenigen Belegpunkten konstruierter Grundwasserhöhenplan. Eine lokal detaillierte Aussage zur Grundwasserfließrichtung könne ohne Probebohrungen und Grundwassermessstellen auf der geplanten Erweiterungsfläche selbst jedoch nicht getroffen werden, so das Fazit von HPC. Die Süderweiterung, so folgern die Fachleute, liege mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit doch weiter im Quelleinzugsgebiet der Hausener Plettenbergquelle.

Das Büro HPC erklärt in seinem Gutachten ausführlich die Gründe für die Zweifel. „In der Plettenbergquelle wurde ein Markierungsstoff registriert, der mittig in der Erweiterungsfläche eingegeben wurde. In der Hausener Quelle wurde ein solcher Stoff nachgewiesen, der sogar nördlich der Erweiterungsfläche eingegeben wurde“, schreiben die Fachleute.

Doch nicht nur am dargestellten Einzugsgebiet hat das Rottenburger Büro Zweifel. Auch die Grundwasserqualität, der das erste Gutachten keine Auffälligkeiten attestiert hatte, haben die Experten unter die Lupe genommen. Während es im ersten Gutachten heißt, Rückstände aus den Sprengmitteln seien im Grundwasser auszuschließen, schreibt HPC: „Wir sehen in den gemessenen erhöhten Nitrat- und Sulfatkonzentrationen im Bereich des Steinbruchs sowie in Quellen unterhalb des aktuellen Abbaus jedoch eindeutige Indikatoren, die auf die Abbautätigkeit zurückgeführt werden können.“

Eine Messstelle weise für Weißjura untypisch hohe Sulfatgehalte (203 Mikrogramm pro Liter, typisch wäre ein Wert unter 20) und auffallend hohe Nitratkonzentrationen auf. Deren Herkunft aus Sprengmitteln könne nicht ausgeschlossen werden.

Das Büro HPC bezeichnet die beiden Mineralstoffe zwar als an und für sich unkritisch und auch deren Erhöhung noch als relativ moderat. „Vielmehr sind sie jedoch Indikatoren für eine qualitative Beeinflussung der Quellen durch die Abbautätigkeit“, heißt es im neuen Gutachten. Kritischere, sprengstofftypische Verbindungen, Betriebsstoffe oder mikrobielle Verunreinigungen könnten über denselben Weg ins Wasser gelangen, was überhaupt nicht untersucht worden sei. Kurz – dass die Quellen qualitativ beeinträchtigt werden, könne nicht ausgeräumt werden. HPC empfiehlt den beiden Schlichemtalgemeinden daher, auf weiterführende Untersuchungen zu bestehen.

Klärungsbedarf

Lebherz wies am Donnerstagabend darauf hin, dass die Stellungnahme zur Süderweiterung des Kalksteinabbaus auf dem Plettenberg vertagt werde, da noch ergänzende Unterlagen des Unternehmens fehlten. Angesichts der Ergebnisse der Gutachter von HPC wies er darauf hin, dass man diese Unterlagen von Holcim abwarten wolle. „Es gibt noch Klärungsbedarf“, sagte er, „wir bleiben an der Sache dran.“

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