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Dotternhausen, 05.06.2018

Plettenbergabbau: Auch die Heidelerche bringt keine Wende

Der Regionalverband Neckar-Alb stimmte am Dienstag der Änderung des Regionalplans zu und ebnete den Weg für die Erweiterung des Dotternhausener Steinbruchs.

Die dritte Änderung des Regionalplans Neckar-Alb 2013 ist durch: Am Dienstag gaben die Verbandsmitglieder bei ihrer Sitzung in Tübingen nach langer und kontrovers geführter Diskussion mit zehn Gegenstimmen grünes Licht. Damit ebneten sie den Weg für die geplante Süderweiterung des Kalksteinbruchs am Dotternhausener Plettenberg.

Sie waren bei der Entscheidung des Regionalverbands Neckar-Alb zum Plettenberg gestern dabei und taten ihren Unmut kund: Die Mitglieder des Vereins Natur- und Umweltschutz Zollernalb.
Sie waren bei der Entscheidung des Regionalverbands Neckar-Alb zum Plettenberg gestern dabei und taten ihren Unmut kund: Die Mitglieder des Vereins Natur- und Umweltschutz Zollernalb. Foto: Nicole Leukhardt

Das Gremium folgte somit mehrheitlich den Argumenten der Verwaltung unter dem Vorsitz von Eugen Höschele, der bereits vor der Diskussion um einen guten, demokratischen Stil gebeten hatte. Doch zunächst befassten sich die Mitglieder mit einem Gutachten, das Balingens Oberbürgermeister Helmut Reitemann in Auftrag gegeben hatte. Er wollte wissen, wie der Plettenberg im Jahr 2040 aussieht, wenn die Firma Holcim ihre bisher schon bestehende Abbaugenehmigung voll ausschöpft.

Der Verband habe dazu Punkte in Roßwangen, Weilstetten, Frommern und Erzingen betrachtetet, die in Sichtbeziehung zum Plettenberg stehen. Von einigen Stellen aus werden eine abgebaute Hangkante durchaus zu sehen sein, so das Fazit der Experten. „Es ist eine Prognose“, wies Eugen Höschele jedoch hin. „Man muss sich selbst prüfen, ob man täglich auf den Plettenberg schaut und darauf achtet, was man sieht“, fügte er an und bat darum, die Verhältnismäßigkeit nicht aus den Augen zu verlieren.

Der Antrag entfacht hitzige Diskussion
Doch nicht die bereits genehmigte Abbaufläche war Thema der gestrigen Zusammenkunft, sondern die mögliche Erweiterung des Bruchs um 8,6 Hektar, die der Änderung des Regionalplans bedarf. Die FDP hatte einen Antrag eingereicht, der im Lauf der Sitzung von den Grünen aufgegriffen und modifiziert wurde.

Zwar sollte dem Abbaugebiet von 8,6 Hektar zugestimmt werden, Holcim sollte jedoch verpflichtet werden, die bereits zum Abbau genehmigte Albtraufkulisse zu erhalten. In einem zweiten Schritt forderten die Liberalen, die zweite Tranche des Vorrangebiets zur Sicherung der Rohstoffe nicht auszuweisen, sondern als Naturschutzgebiet einzustufen. Dieser Vorschlag bestimmte die folgende, knapp zweistündige Diskussion maßgeblich.

Einige Mitglieder, wie beispielsweise Hubert Schiele (Freie Wähler) sprachen sich für den Antrag aus. „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um über die gesamte Fläche zu sprechen, denn irgendwann sind keine Ausgleichsflächen mehr da“, argumentierte er.
„Vielleicht gibt es Alternativen zum Kalkstein, wenn man heute schon weiß, dass man sich darum bemühen muss“, sagte Dr. Sabine Kracht (Die Grünen).

Ein flammendes Plädoyer für die Genehmigung hielt indes Dotternhausens Bürgermeisterin Monique Adrian. „Ich appelliere an Sie, den FDP-Antrag abzulehnen“, begann sie. Der Umweltschutz liege ihr durchaus am Herzen, jedoch gehe es ihr auch um die 260 Arbeitsplätze und den größten Gewerbesteuerzahler, der für Dotternhausen immens wichtig sei. Verfahrensverzögerungen brächten für die Gemeinde nur Nachteile, so ihr Argument.

„Selten hat ein Projekt so tiefe Diskussionen hervorgerufen“, stellte Holger Dembek (Freie Wähler) fest. Auch er halte die Abwägung der Verwaltung für richtig. „Es gibt jetzt keine Not, den Plan gleich zu ändern, mit der verbleibenden Fläche kann zunächst gar nichts passieren“, erklärte er.

Die Heidelerche hat keinen Einfluss auf die Entscheidung
Kritische Stimmen aus dem Gremium gab es allerdings zum Stellenwert des Naturschutzes allgemein. Das Brutvorkommen der schützenswerten Heidelerche sei bestätigt und trotzdem habe dies faktisch keinen Einfluss auf die Entscheidung, bemängelten zwei Mitglieder und äußerten Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Gutachten.

Naturschutzrechtliche Belange gelte es nun im immissionsschutzrechtlichen Verfahren genau zu prüfen, sagte Landrat Günther-Martin Pauli (CDU). Eigens dafür werde man beim Landratsamt Zollernalb ein Projektmanagement einrichten.

Der Idee, die verbleibende Fläche in einem separaten Verfahren zum Naturschutzgebiet zu machen, standen alle Fraktionen zumindest offen gegenüber. Auch werde man mit der Firma Holcim über den Erhalt des Albtraufs sprechen. Gutachtern und der Verwaltung Unredlichkeit zu unterstellen, sei unhaltbar“, sagte Eugen Höschele in einem abschließenden Statement.

Jeweils mit zehn Gegenstimmen wurden die Synopse der Stellungnahmen und die Änderung des Regionalplans wie vorgeschlagen beschlossen. Der Antrag der Grünen wurde mit 38 Gegenstimmen abgelehnt.

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