„Ich habe so etwas kommen sehen“
Die originale Flugaufzeichnung vor dem Crash: „Dass am Ende eines Tasks (Aufgabe) die Flugzeuge einer Klasse so dicht zusammen sind, ist sehr ungewöhnlich“, schreibt der Pilot aus Bayern.
Die originale Flugaufzeichnung vor dem Crash: „Dass am Ende eines Tasks (Aufgabe) die Flugzeuge einer Klasse so dicht zusammen sind, ist sehr ungewöhnlich“, schreibt der Pilot aus Bayern. Foto: privat
Die originale Flugaufzeichnung vor dem Crash: „Dass am Ende eines Tasks (Aufgabe) die Flugzeuge einer Klasse so dicht zusammen sind, ist sehr ungewöhnlich“, schreibt der Pilot aus Bayern.
Die originale Flugaufzeichnung vor dem Crash: „Dass am Ende eines Tasks (Aufgabe) die Flugzeuge einer Klasse so dicht zusammen sind, ist sehr ungewöhnlich“, schreibt der Pilot aus Bayern. Foto: privat

Balingen, 14.05.2018

„Ich habe so etwas kommen sehen“

Einer der an der Lochen verunglückten Segelflieger beschreibt im Internet ausführlich den Zusammenstoß – und mahnt, die Sicherheit bei Wettbewerben zu erhöhen.

von Michael Würz  

Am Montagabend vor einer Woche schreibt ein Pilot, der am Segelflugwettbewerb der Hahnweide (Kirchheim/Teck) teilnimmt, frustriert ins Online-Flugbuch der Flieger: „Statt Schwarmintelligenz gibt es wohl bei der 18-Meter-Klasse so was wie Schwarmblödheit.“ Der Mann, der diese deutlichen Worte findet, ist 50 Jahre alt, ein erfahrener Flieger aus Bayern. Seine böse Vorahnung endet nur einen Tag später beinahe in einer Katastrophe (Flugzeugabsturz: Schüler schrammen an Katastrophe vorbei).

In der Mitte des Fotos zu erkennen: die drei Fallschirme überm Lochenwald.
In der Mitte des Fotos zu erkennen: die drei Fallschirme überm Lochenwald. Foto: privat

In der Nähe des Lochensteins rammt ein Schweizer Doppelsitzer den Motorsegler des Bayern von hinten. Die Maschinen stürzen ab. In einem Segelfliegerblog – der Beitrag, der sich schnell tausendfasch verbreitet hatte, ist seit Montagabend nur noch mit Passwort zu lesen – beschreibt der Mann nun ausführlich die folgenden Sekunden. Beschreibt, wie er zunächst versucht, die Haube zu öffnen – und sich schließlich mit dem Fallschirm rettet:

Sofort öffne ich den Gurt und stelle erst mal fest, dass ich aufgrund der G-Kräfte nicht so einfach rauskomme wie gedacht. Während ich mich nun rausstemme, wechselt alles wieder auf negative G, ich befinde mich kopfüber und ich werde aus dem Flugzeug fast raus katapultiert. Ich sehe den Rumpf neben mir wie er sich rasch entfernt, und dann geht auch schon der Fallschirm auf. (...) Neben mir rieseln Wrackteile vorbei, die es oben beim Crash zerlegt hat.

Andere Piloten hatten den heftigen Zusammenstoß als Explosion beschrieben.

Es ist diese persönliche Erfahrung, die den Piloten aus Bayern dazu ermutigt hat, den Vorfall detailliert im Netz aufzuarbeiten – auch, um andere Teilnehmer von Flugwettbewerben aufzurütteln: „Es ist wohl noch nie ein komplett Unbeteiligter durch so einen Absturz getötet worden, aber was wäre wohl geschehen, wenn mein Ventus am Boden ein oder mehrere Kinder tödlich getroffen hätte?“ Wie berichtet, konnten sich der 50-jährige Pilot aus Bayern sowie die zweiköpfige Besatzung des Schweizer Flugzeugs mit Fallschirmen retten.

Die Maschine des bayerischen Fliegers war direkt auf den Grillplatz der Lochen-Jugendherberge gekracht, wo sich zahlreiche Schüler aufgehalten hatten.
Die Maschine des bayerischen Fliegers war direkt auf den Grillplatz der Lochen-Jugendherberge gekracht, wo sich zahlreiche Schüler aufgehalten hatten. Foto: Michael Würz

Auch das beschreibt der Flieger in seinem ausführlichen Bericht: „Ich sehe nach unten und kann meinen Rumpf bis zum Aufschlag verfolgen, wie er unmittelbar neben einem Haus einschlägt. Die Leute von der Jugendherberge sind [später] unfassbar hilfsbereit und freundlich angesichts der Tatsache, dass ein Flugzeug genau auf ihren Hof, offenbar unmittelbar neben spielende Kinder, gefallen war.“

Der Pilot geht in seinem Bericht, der etwa in Internetforen Zustimmung, hinter vorgehaltener Hand aber auch Ablehnung erfährt, durchaus hart mit seiner eigenen Zunft ins Gericht. Und warnt angesichts seines persönlichen Erlebnisses: „Wir müssen uns eingestehen, dass wir nicht alles im Griff haben können.“ Das Problem aus Sicht des bayerischen Piloten: zu viele Flugzeuge, die auf engstem Raum im Pulk fliegen, gesteuert von Piloten mit unterschiedlichen Fähigkeiten. ZAK-Leser, die die Flieger beobachtet hatten, hatten aufgrund des großen Pulks bereits am Unglückstag von einem absehbaren Unfall gesprochen.

Segelfliegen: eigentlich sicher

Der aufrüttelnde Bericht – er richtet sich nicht an die Veranstalter der Hahnweide, sondern an die Wettbewerbspiloten, die mit der Segelfliegerei eigentlich einem recht sicheren Hobby nachgehen – rein statistisch. „Ich selber werde natürlich Konsequenzen ziehen“, schreibt der Pilot. „Segelfliegen werde ich weiter. Ich werde auch noch Wettbewerbe fliegen wie die österreichischen Staatsmeisterschaften, wo ich so ein Kollektiv-Verhalten nie erlebt hatte.“

Der bayerische Unglückspilot im Wettbewerb, hier bei Villingen.
Der bayerische Unglückspilot im Wettbewerb, hier bei Villingen. Foto: privat

Qualifikationen, die Deutsche Meisterschaft und möglicherweise auch auf der Hahnweide werde er nicht mehr mitfliegen. Stattdessen fordert der erfolgreiche Wettbewerbspilot neue Flugregeln – welche, die das Teilnehmerfeld weiter auseinanderziehen sollen. 

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