12.03.2018

Leserbrief

Sogar den Bettsoicher haben wir gemeinsam!

Leserbriefe sollten 80 Druckzeilen nicht überschreiten. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

 
Zu: Durch die Dialekte geklickt am 9. März auf der Südwestumschau
Hoffentlich ersticken Sie nicht in den Zuschriften oder „ertauben“ durch das Protestgeschrei Ihrer Leser, dass die Sonnenblume auf gut Schwäbisch das „Bettsoicherle“ sein soll! Natürlich ist das ein Druckfehler und das ist durchaus entschuldbar, aber es lässt in diesem Fall darauf schließen, dass die zuständigen Leute leider mit dem Schwäbischen nicht ganz so vertraut sind, wie zum Beispiel ich. Ausgerechnet ich, dessen Wiege eigentlich Tausende von Kilometern von dieser, meiner Wahlheimat, nämlich in Siebenbürgen gestanden ist und der diese Sprache leider immer noch nur sehr mangelhaft spricht. Verstehen kann er natürlich längst jedes Wort!
Aber als ich 1945 als Soldat ein junges schwäbisches Mädchen, meine spätere Frau in Rosenfeld kennenlernte, nahm ich mir fest vor, ihren Jargon recht bald wenigstens gut verstehen zu lernen. Damals nämlich klang das Schwäbische wie Chinesisch für mich, wenn meine Gesprächspartner versehentlich nicht Hochdeutsch sprachen! Leider musste ich auf diese Gelegenheit noch gut dreieinhalb Jahre warten, in denen ich zunächst als Kriegsgefangener die französische Sprache erlernte. Eines der ersten Wörter, war dabei der Name des Löwenzahns, der mich sehr amüsierte: „le pissenlit“, wörtlich(!) übersetzt: der Bettsoicher!
Als ich dann längst im Schwäbischen zuhause war, fand ich dieses Wort und noch viele anderen schwäbisch-französischen Ausdrücke sogar sehr sympathisch. Inzwischen hatte ich mich nämlich, bedingt durch das gute Verhältnis zu den Menschen in dem französischen Dorf, bei denen ich diese Zeit verbracht hatte, zum Frankophilen (Franzosenfreund) entwickelt.
Man muss nämlich bedenken, dass sowohl wir Deutschen als auch die Franzosen seit Generationen von ihren jeweiligen Regierungen regelrecht zu Hassern des auf der anderen Seite des Rheins Befindlichen erzogen worden sind. Aber meine Franzosen haben mich vom ersten Tag meiner Anwesenheit dort, wie einen ganz normalen Mitmenschen behandelt. Und wir pflegen heute noch, inzwischen längst mit den Nachkommen meiner damaligen Chefs, eine enge familiäre Freundschaft! Und wir sind uns doch viel ähnlicher als man denken sollte: Sogar den Bettsoicher haben wir gemeinsam!
Hans Mendgen
Wacholderweg 7, Rosenfeld

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