10.03.2018

Leserbrief

Wo bleibt die Achtung vor Lebewesen, wo die Achtung vor Tradition?

Leserbriefe sollten 80 Druckzeilen nicht überschreiten. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.
 
Was geschieht zur Zeit
Nach vorgetragenen Bedenken in der Bürgerfragestunde stimmten 14 Stadträte für die Bebauung, fünf dagegen, zwei enthielten sich der Stimme. Eine umfangreiche Unterschriftenliste von Anwohnern, die dagegen protestierten, lag vor. Der neuesten Ausgabe des Amtsblatts entnahmen wir, die Anlage sei „entbehrlich“. Wer entscheidet darüber, was entbehrlich ist? Sind es 14 Stadträte, von denen die meisten in den Ortsteilen wohnen und denen die Anlage egal ist, oder sind es die vielen Bürger, die mit ihrer Unterschrift gegen eine Bebauung protestiert haben? Kurz nach Veröffentlichung der Sitzungsergebnisse im Rathaus erhielt ich den Anruf einer Mitbürgerin, die mir ihre Bestürzung über die radikale Abholzung der Lindenallee auf dem Friedhof zum Ausdruck brachte. Sie besuche alle zwei Tage das Grab ihres Kindes, im Sommer habe sie sich im Schatten der Bäume aufgehalten. Dieser Kahlschlag sucht seinesgleichen. 14 gesunde Bäume mit einem durchschnittlichen Durchmesser von 80 Zentimeter wurden gefällt, weil sie angeblich den Asphalt beschädigt hätten. Hätte man sich nicht vor diesem Kahlschlag andernorts informieren können, wie die Wege saniert werden könnten, ohne 14 Bäume zu opfern? Haben überhaupt die Bäume am aufgebrochenen Asphalt Schuld oder ist es die Witterung oder der Einsatz schwerer Maschinen, die ständig darüber fahren?
Bis eine so eindrucksvolle Allee entsteht wie die abgeholzte, dürften über 100 Jahre vergehen. Es war würdevoll, hinter einem Sarg durch diese Allee zu schreiten, alte Menschen konnten sich im Schatten ausruhen, Millionen von Insekten fanden Nahrung bei der Lindenblüte. Wo bleibt die Achtung vor Lebewesen – auch Bäume sind welche –, wo bleibt die Achtung vor Tradition und Andenken an unsere Vorfahren, die die Linden für uns als Schattenspender setzten? Dieser Trend deprimiert und verunsichert mich zutiefst und steht in krassem Gegensatz zur vielgelobten Agenda 2030, in der unsere Wohn- und Lebensqualität verbessert und nicht verschlechtert werden soll.
Lore Binder
Höhenweg 6, Meßstetten

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