09.03.2018

Leserbrief

Eine staatsoperngleiche, wunderschöne Aufführung

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Am 22. Februar gastierte das Theater Pforzheim in der Stadthalle Balingen mit einer hervorragenden Aufführung der Mozart-Oper „ Die Zauberflöte“. Leider konnte im Zollern-Alb-Kurier darüber kein Bericht erscheinen, weil, wie zu erfahren war, der dafür vorgesehene Berichterstatter ganz kurzfristig erkrankte und deshalb die Aufführung nicht besuchen konnte. Da sich aber das Theater Pforzheim eine Erwähnung redlich verdient hat, will ich, obwohl Laie, hier eine Zusammenfassung wagen.
Bühnenbild und Inszenierung waren außergewöhnlich und modern. So öffnete sich der Vorhang bereits während der Ouvertüre, zu sehen war der Schlafsaal eines Internats und alsbald lieferten sich mitwirkende Kinder eine Kissenschlacht. Im weiteren Verlauf wurden dann rechteckige fahrbare mit Bühnenbildern bemalte Hohlkörper (Schränken gleich) mit seitlichen Türen, durch die die Darsteller auf- und abtreten konnten, auf die Bühne gebracht. Diese Hohlkörper wurden in der Folge bei offener Bühne häufig bewegt und anders arrangiert, so dass keine Langweile aufkam, ein statisch-antiquierter Eindruck vermieden wurde und ein Hauch Gegenwart aufkam.
Musikalisch überraschte das überwiegend sehr junge Theaterensemble immer wieder. Die intrigante Königin der Nacht, Elisandra Melian, bestach durch messerscharfe Koloraturen und erreichte mühelos jeden Spitzenton, fulminant! Der Fürstensohn, Freier und Befreier Tamino, gesungen von Johannes Strauss, fiel durch eine schöne und warme Tenorstimme auf, unter anderem sehr schön mit der Arie „Dies Bildnis“. Monostatos, der Bösewicht, mit genau passendem spitzig-scharfem hohem Timbre wurde dargeboten von Matthias Laferi: ideal.
Franziska Tiedke sang die vom Herrscher Sarastro entführte Pamina, Tochter der Königin der Nacht, mit viel Stimme, dramatisch und einfühlsam zugleich. Papageno, der eigenartige, lustige Vogelfänger war mit Cornelius Burger, Bariton, darstellerisch und sängerisch absolut super ideal besetzt. Adäquat dazu Natasha Salles als Papagena, die beiden verschmolzen in ihrem Liebesduett förmlich.
Der gestrenge Herrscher Sarasto, Lukas Schmid, von passender voluminöser Statur, beherrschte auch die tiefsten Basstöne souverän. Sonderlob für die drei jungen Mädchen, die hier den Part der drei Knaben sangen. Kindliche Ausnahmestimmen, ätherisch und wunderschön!
Auch alle weiteren Nebenrollen waren durchgängig hochkarätig besetzt und ließen keine Wünsche offen. Der Chor sang klangschön voluminös und homogen, besonders auch der Männerchor mit „O Isis und Osiris“ . Das Orchester, die Badische Philharmonie Pforzheim, war ein sehr präziser und spürbar spielfreudiger Begleiter.
Die umsichtige musikalische Leitung lag in den Händen des jungen Dirigenten Philipp Haag. Lang anhaltender mit Freudenpfiffen durchsetzter Beifall für diese staatsoperngleiche wunderschöne Aufführung. Bravo Pforzheimer – und kommt bald wieder.
Rolf Singer
Schwalbenweg 28, Tailfingen

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