07.03.2018

Leserbrief

Wie richtet man das Ansehen einer Partei zugrunde?

Leserbriefe sollten 80 Druckzeilen nicht überschreiten. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

 
Indem man einen „abgehalfterten“ Europapolitiker aus Brüssel reimportiert, ihn als „Heilsbringer“ dem Wählervolk präsentiert und mit 100 Prozent der Delegiertenstimmen zum Parteivorsitzenden kürt. Anschließend wirft man ihn unvorbereitet in das kalte Wasser der Bundestagswahl und lässt ihn dann unverständlicherweise die „Parteikarosse“ mit knapp 20 Prozent der Wählerzustimmung an die Wand fahren.
Bevor die letzten Wählerstimmen ausgezählt wurden, verkündet dieser Herr, sofort mit „seiner“ Partei in die Opposition zu wechseln und niemals ein Amt unter der Führung der Dame im Hosenanzug anzunehmen.
Jedoch nach Monaten des Hinhaltens und der Verzögerung kam plötzlich die Kehrtwendung. Trotz heftiger Widerstände aus verschiedenen Gruppierungen der Partei wurden die Koalitionsverhandlungen begonnen und abgeschlossen. Wider allen vorher getroffenen parteiinternen Vereinbarungen entbrannte im Machtzentrum dieser Partei ein heftiger Streit um das Fell des Bären (sprich: Verteilung der Ministerposten), bevor der Bär überhaupt erlegt wurde. Dem nicht genug, wurde auch noch dem amtierenden und allseits geschätzten Außenminister die Rote Karte gezeigt und eine neue Parteivorsitzende ausgerufen, ohne vorher das Parteivolk zu befragen. Den Schlusspunkt in diesem Politdrama setzte der Vorsitzende selbst, indem er das Handtuch warf und in der Versenkung verschwand.
Millionen und Abermillionen Wähler in diesem Land fragen sich: Kann man dieser Partei in diesem Zustand noch Vertrauen entgegenbringen, kann man ihr noch Glauben schenken? Also dann ihr lieben Genossen, weiter so, die 15 Prozent bei der nächsten Wahl, das schaffen wir bestimmt!
PS: Es besteht überhaupt kein Grund zur Schadenfreude, denn bei all den anderen Parteien geht es auch nicht zivilisierter zu.
Gerd O. Lehmann
Rosensteinstraße 1
Onstmettingen.

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