Abgänge als neue Chance sehen

Balingen, 17.02.2018

Abgänge beim HBW als neue Chance sehen

Nach dem verpatzten Start in die (Rest-)Rückrunde geht der HBW im Düsseldorfer Castello auf die Platte. Trainer Jens Bürkle erwartet eine Trotzreaktion. Mit Kommentar.

von Marcus Arndt  

Pfiffe von den wütenden Fans, schlechte Stimmung in und um die Mannschaft des schwäbischen Zweitligisten. Die Blamage des HBW Balingen-Weilstetten gegen Aufsteiger Hagen wirft unbequeme Fragen auf.

Valentin Spohn besitzt für die nächste Saison lediglich einen Vertrag für die erste Liga. Deshalb wird der 20-Jährige mit zahlreichen höherklassigen Teams in Verbindung gebracht.
Valentin Spohn besitzt für die nächste Saison lediglich einen Vertrag für die erste Liga. Deshalb wird der 20-Jährige mit zahlreichen höherklassigen Teams in Verbindung gebracht. Foto: Moschkon

Die von den Verantwortlichen kolportierte Aufbruchsstimmung erstickte das Team von Trainer Jens Bürkle im Keim, präsentierte sich nach einer „Top-Vorbereitung mit sehr guten Ergebnissen“ (O-Ton Bürkle) total von der Rolle. Die 33:37-Heimpleite gegen die Südwestfalen blieb nicht ohne Konsequenzen für das spielende Personal des früheren Erstligisten. „Jens Bürkle hat Ende vergangener Woche das Training umgestellt und die Zügel angezogen“, verrät Geschäftsführer Wolfgang Strobel.

Intensiv ließ der Sportwissenschaftler trainieren und strich die freien Tage am Wochenende. „Ich glaube schon, dass nun jedem der Ernst der Lage bewusst ist“, nimmt der ehemalige HBW-Kapitän den Gesprächsfaden wieder auf, „schließlich wird niemand gerne in der eigenen Halle von den eigenen Fans ausgepfiffen. Jetzt geht es allerdings darum, dass jeder für sich daraus die richtigen Schlüsse zieht und eine entsprechende Reaktion zeigt und damit beginnt, einen Schritt über den eigenen Schatten zu machen. Klar ist, dass die Eigenmotivation mit Ärger im Bauch besser funktioniert.“

Unverkennbar in dieser kritischen Saisonphase: Auch nach der mehrwöchigen Vorbereitung in der EM-Pause bringt der Bundesliga-Absteiger sein Potenzial nicht auf die Platte. Und nicht nur das. Bürkle vermisste Einsatz und Emotionalität bei seiner Mannschaft. „Beim Konter sind wir zurückgetrappt . . .“, kritisiert der 37-Jährige, welcher merklich den Ton verschärft: „Wir sollten nun endlich etwas für uns tun und diese Abwärtsspirale stoppen.“

Doch wie? „Es ist Zeit, dass wir alle Dinge zusammenkriegen und uns auf die Arbeit in Balingen konzentrieren.“ Das macht die unklare Vertragssituation von Teilen des Kaders nicht einfacher. Valentin Spohn, welcher in der kommenden Saison ohnehin nur einen Vertrag für die erste Liga besitzt, wird mit einigen höherklassigen Klubs in Verbindung gebracht. Auch der junge Norweger Simen Schönningsen und Tobias Wagner, welcher bei der EM für Österreich nur wenige Einsatzzeiten bekam, sind Wackelkandidaten. „Wir brauchen mehr Erfahrung und Qualität im Kader“, betont Bürkle. Der möchte das Gros des Personals halten, sieht aber auch zwingend Handlungsbedarf am Kreis und im Rückraum. „Mögliche Abgänge geben uns auch die Chance, mehr Körpergröße in die Mannschaft zu bekommen“, erklärt der Sportwissenschaftler.

Dieser legt seinen Fokus allerdings auf die kommenden Spiele beim Branchenneuling Rhein Vikings (Samstag, 19 Uhr, Castello) und gegen Mit-Absteiger HSC Coburg (23. Februar, 19.45 Uhr, SparkassenArena).

Bereits am Freitag reiste der HBW an, trainierte auf dem Weg nach Düsseldorf noch einmal in Leutershausen. Neben dem Langzeitverletzten Markus Stegefelt (Kreuzbandriss) fällt Spohn wegen Achillessehnenbeschwerden gegen den Aufsteiger aus. Ein Fragezeichen steht hinter dem Einsatz von Schönningsen, er fehlte Anfang der Woche krank. Als möglicher Ersatz steht René Zobel aus dem Perspektivteam parat, welcher bereits mit der Zweitliga-Mannschaft trainiert hat. Auch Kapitän Martin Strobel hat dosiert geübt, „ob es für das Spiel in Düsseldorf reicht, müssen wir abwarten“, so Bürkle abschließend, „der Integrationsprozess ist bislang sehr gut verlaufen.“

Abgänge beim HBW als neue Chance sehen

Kommentar: Keine Liebe zum Klub

Das Saisonziel klar verpasst, erneut erschreckend schwach gespielt. Permanent befeuern die Protagonisten auf der Platte die massive Kritik an den HBW-Klubgranden und Trainer Jens Bürkle.

In der EM-Pause korrigierten die Verantwortlichen die Vorgaben, hakten die schnelle Rückkehr in die Bundesliga ab und hielten sich im Postulieren ehrgeiziger Ziele zurück. Ein kluger Schachzug, der kurzzeitig für Ruhe sorgte. Mit dieser ist es nach dem 33:37 gegen Hagen vorbei, zumal es auch im Nachwuchsbereich hakt und das Drittliga-Team vor einem erneuten Umbruch steht.

Markant in dieser schwierigen Phase: Nur wenige bekennen sich klar zum Ex-Erstligisten. Auch wenn der Coach mit viel Pathos von der „Liebe zum Klub“ spricht die Realität ist eine andere. Nach der verpassten Rückkehr ins Oberhaus sehen einige keine sportliche Perspektive bei den „Galliern von der Alb“. Dabei verlieren manche offensichtlich den Blick für die sportliche Gegenwart, sind beratungsresistent und können die eigene Leistung überhaupt nicht einschätzen. Diese ist mit wenigen Ausnahmen schlecht.

Nicht nur Emotionalität und Einsatz fehlen, sondern die Identifikation mit dem Verein. Und während der HBW tief in der Krise steckt, kokettieren Teile des Personals mit einem Wechsel, fühlen sich nicht wertgeschätzt oder unterfordert. Für Manager Wolfgang Strobel ist es zwingend Zeit für eine erneute Zäsur im Kader. Ohne Zweifel braucht das Team mehr Qualität und Erfahrung, aber auch eine bessere Physis. Das lässt sich in dieser Runde nicht mehr korrigieren - wohl aber der Auftritt der Schwaben. Bürkle hat bereits angekündigt, dass er künftig verstärkt auf Spieler aus dem Perspektivteam zugreifen will. Bleibt für manchen Jung-Star nur der Platz auf der Tribüne. Dort sind sie mit dieser Einstellung auch am besten aufgehoben . . .

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