16.05.2012

So können Eltern ihrem Kind helfen

 

Nach dem Schulabschluss heißt es, den richtigen Ausbildungsplatz zu finden. Mit der Wahl der Lehre werden wichtige Weichen für das Leben gestellt. Dabei kann jeder Schüler Hilfe gut gebrauchen. Die Agentur für Arbeit gibt Tipps für eine erfolgreiche Bewerbung.

Bis zum März 2012 waren 404.700 offene Berufsausbildungsstellen gemeldet, 22.300 bzw. sechs Prozent mehr als im Vorjahr. Gute Aussichten also für alle Jungendlichen, den gewünschten Ausbildungsplatz auch wirklich zu ergattern. Nur, welches ist mein Wunschberuf? Stimmen meine Vorstellungen mit der Jobrealität überein? Reicht mein Zeugnis für diese Lehre? Wo soll ich überhaupt suchen? Und wie bewerbe ich mich dann optimal? Die jungen Berufseinsteiger haben meist viele Fragen. Gut, wenn sie damit nicht allein gelassen werden und Unterstützung durch die Eltern erfahren.

Zusammen erfolgreich: So könnten Sie das Familienmotto für die Berufswahl Ihres Kindes nennen. Am besten beginnen Sie mit den ersten Gesprächen darüber bereits lange vor dem voraussichtlichen Schulabschluss –also jetzt f für 2013. Doch wohin soll die „Reise“ überhaupt gehen. Eine Art Fahrplan erhalten Eltern dafür unter www.planet-beruf.de/Infoblatt-Berufswahl. Auf diesem Portal finden Eltern wichtige Materialien, die zeigen, was in den einzelnen Phasen der Berufsorientierung zu beachten ist. Übrigens: Der Berufswahlplan ist auf Deutsch, Türkisch und Russisch erstellt.

Klarheit durch erstes Orientieren: Reden ist Silber, Schweigen aber Gold? Von wegen! Sprechen und überlegen Sie zusammen mit Ihrer Tochter/Ihrem Sohn über persönliche Stärken und Interessen. Machen Sie ruhig eine Art Liste davon. Mit den Fakten vor Augen lassen sich viele Berufe schon klar ausmachen oder auch wegstreichen. Hilfe bekommen Sie dabei über das kostenlose Selbsterkundungsprogramm BERUFE-Universum (www.planet-beruf.de/Das-BERUFE-Universum). Dort können Sie gemeinsam mit Ihrem Kind auf fantasievolle Art diejenigen Berufe eingrenzen, für die Ihr Kind wirklich Interesse zeigt und die erforderlichen Stärken mitbringt. In drei Schritten werden aus 500 kreisenden Planeten (Berufe) diejenigen herausgefiltert, die wirklich infrage kommen.

Extra-Tipp Newsletter: Auf www.planet-beruf.de gibt es auch einen Link speziell für Eltern/Erziehungsberechtigte. Sie können sechs Mal pro Jahr kostenlos Neuigkeiten aus dem Bereich Eltern und Berufswahl per Mail zugeschickt bekommen.
BiZ - eine weitere Orientierungshilfe: Hinter der Abkürzung steht das Berufs-Informations-Zentrum in Ihrer Region. Dort können Sie zusammen mit Ihrem Kind einen persönlichen Beratungstermin zur Berufswahl vereinbaren.

Zeit für eine Entscheidung: In der 9. Klassenstufe bieten die Schulen unterrichtsbefreite Zeiten an, in denen die Schüler/innen Zeit für Praktikas eingeräumt bekommen. Eine gute Möglichkeit abzusichern, ob sich Erwartungen und Realität im bislang avisierten Beruf wirklich decken. Eventuell auch einen Teil der Ferien für ein Praktikum nutzen. Ansonsten gilt es für die Eltern, in dieser Phase eigene Vorstellungen zurück zu stellen. Nicht die Frage „Was möchte ich für mein Kind?“, sondern „Welcher Berufsweg passt zu meinem Kind?“ sollte quasi der Arbeitstitel für diese Zeit lauten.

Gezielt und optimal bewerben: Jetzt geht es sozusagen in die heiße Phase der Ausbildungssuche. Auch jetzt sollten Sie Ihr Kind weiter aktiv unterstützen. Suchen Sie z.B. gemeinsam in Zeitungen/im Internet nach entsprechenden Stellenanzeigen.

Auch hier bietet die Bundesagentur für Arbeit wieder konkrete Hilfe. Im Internet finden Sie dafür die JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit (www.jobboerse.arbeitsagentur.de). Helfen Sie zudem bei der Erstellung von einwandfreien Bewerbungsunterlagen. Unterstützen Sie bei Formulierungen und picken Sie ruhig mögliche Fehler heraus. Auch hier ist das Portal www.planetberuf.de hilfreich. Unter dem Link Stellensuche & Bewerbung finden Sie alle Tipps rund um eine optimale Bewerbung. Und zwar unter den Stichworten Bewerbungsmappe bzw. Tipps für Online- und E-Mail-Bewerbung.

So sollte eine Bewerbungs-Mappe aussehen

Deckblatt: Kein Muss, aber ein guter Einstieg. Es sollte eine Überschrift, den Ausbildungsberuf, den Namen des Bewerbers, seine Adresse und ein Foto enthalten. Bitte keine Schnappschüsse z.B. aus dem Urlaub verwenden. Besser ist es, in ein professionelles Foto von einem Fotografen zu investieren. Denn der erste Eindruck ist bereits sehr wichtig.

Anschreiben: Es sollte möglichst an einen konkreten Ansprechpartner gerichtet sein. Denn Bewerbungen mit „Sehr geehrte Damen und Herren“ werden häufig gleich aussortiert. Im Text sollte deutlich gemacht werden, warum gerade diese Ausbildung und dieses Unternehmen gewählt wurde. Der Bewerber sollte konkret beschreiben, warum gerade er/sie die richtige Person für den Job ist. Welche besonderen Qualitäten, Interessen oder Erfahrungen werden dafür bereits mitgebracht. Das Anschreiben sollte eine DIN-A4-Seite nicht überschreiten. Am Ende die höfliche Bitte um ein persönliches Gespräch äußern. Denn das Vorstellungsgespräch ist das eigentliche Ziel der Bewerbung.

Lebenslauf: In tabellarischer Form werden hier die wichtigsten Lebensstationen aufgelistet. Das sind z.B. Informationen über die Schulausbildung, Abschlüsse, Zertifikate und Auslandsaufenthalte. Sehr wichtig ist hier die Übersichtlichkeit. In der letzten Zeit ist es üblich geworden, Daten mit dem jüngsten Ereignis beginnend chronologisch aufzulisten. Im Lebenslauf darf und sollte der Bewerber auch auf seine Teamfähigkeit und soziale Kompetenz verweisen, beispielsweise durch den Hinweis auf Hobbys oder Ferienjobs. Hat die Bewerbung kein Deckblatt, dann sollte jetzt hier das professionelle Foto stehen.

Anhang: Hier gehört alles hinein, was die Befähigung für diese Ausbildung oder diesen Job noch unterstreichen könnte. Das können neben dem letzten Zeugnis auch Praktikumsnachweise oder Arbeitszeugnisse sein. Aber nicht die Originale, sondern Kopien verschicken. Nicht immer kommen die Bewerbungsunterlagen auch zurück.

Bitte unbedingt vermeiden!

Schreibfehler! Viele Personalchefs klagen inzwischen über Bewerbungen mit vielen Rechtschreib- und Grammatikfehlern. Deshalb die Eltern ggf. auch Lehrer bitten, die Bewerbung darauf hin durchzuforsten. Denn „Null Fehler“ bedeuten einen großen Pluspunkt.

Stilblüten! Besser keine sinnleeren Formulierungen wie „mentale sowie reale Beweglichkeit“ oder Schmeichelfloskeln wie „in Ihrer einzigartigen Firma“ benutzen. Sie wirken aufgesetzt und auch leicht komisch. Gute Karten hat, wer sich um persönliche Formulierungen bemüht.

Schema F! Die Bewerbung sollte unbedingt die Individualität des Bewerbers deutlich machen. Also keine perfekte Inszenierung „hinlegen“, sondern ehrlich auf Stärken und ggf. Schwächen hinweisen. Originalität ist besser als ein starres Regelwerk. Ein Personalchef, der täglich viele Bewerbungen auf den Tisch bekommt, schätzt viel eher ein Schreiben, bei dem persönliche Ambitionen spürbar werden.

Gießkannenprinzip! Es ist zwar wichtig, die Werbetrommel für sich zu rühren. Doch dabei nicht nach dem Gießkannenprinzip vorgehen. Große Firmen schreiben ihre Stelle heute nicht mehr öffentlich aus. Hier kann ein kurzes Telefonat vorab Klarheit schaffen und den richtigen Ansprechpartner erkennbar machen.

Verschweigen! Wer in dem einen oder anderen Fach nur mit schlechten Noten aufwarten kann, sollte diese dennoch nicht verschweigen. Besser eine Fünf im Zeugnis zugeben, aber dafür darauf verweisen, dass man z.B. schon seit Jahren in einer Sportgemeinschaft trainiert. Das zeugt von Ehrlichkeit, sozialer Kompetenz und Durchhaltevermögen.

Mehr zum Schlagwort

Karriere.

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.
counter