Mittwoch, 17. April 2013 von Ralph Conzelmann

Die D-Bäbbr auf dem Blech

Jeden Tag fahre ich an an einer Station des größten europäischen Mietwagenunternehmens vorbei. Ebenso oft stechen mir neben den HH-Kennzeichen jene „D“-Aufkleber, also Bäbbr, ins Auge, die Auto-Normalverbraucher bei Fahrten innerhalb der EU seit 1998 gottseidank nicht mehr aufs Heilig's Blechle kleben muss. Nicht nur der Bäbbr als solcher stört – vielmehr die Art, wie er aufgebracht ist: Schief und schlampig. Dazu mit unansehnlicher Lasche.

Es drängt sich der Eindruck auf, dass der Vermieter mit großer Treffergenauigkeit stets die- oder denjenigen für diesen Klebejob findet, der/die am wenigsten Lust dazu hat. Die Augen penibler Schwaben tun bei so etwas besonders weh. Kaum vorstellbar, dass der geneigte Daimlerlenker etwas dem Zufall überließe. Nicht beim Bäppen – und nicht beim Parken. Schließlich will der Stern beim Stillstand der Räder auch an der hinteren, linken Hinterradfelge bolzengerade nach oben zeigen. Und wetten, dass das keiner mit „HH“ schafft?

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Freitag, 18. Januar 2013 von Ralph Conzelmann

Ausgemachter Stumpfsinn

Dass Armstrong gedopt hat, die Gottschalk-Brüder bei „Wetten, dass?“ Schleichwerbung platzierten und Platzeck die Vertrauensfrage überstehen würde, überrascht nicht wirklich. Doch sind mir diese Nachrichten noch tausendmal lieber als die Antwort auf die Frage, wie viele Drinks sich Helmut Berger auf dem Flug nach Australien genehmigte, wie es sich anfühlt, wenn man Regenwürmer verschlingt und warum den Kandidaten in Down Under Schulter, Magen und Kreislauf zu schaffen machen. Offenbar hat die Welt auf einen ausgemachten Stumpfsinn wie diese RTL-Staffel gewartet. Nun ist sie da. Allenthalben. Ich bin ein Befürworter des neuen Rundfunkbeitrages, weil er nach eigener Darstellung Familien und Wohngemeinschaften entlasten soll. Dazu gehörte auch, dass uns die Öffentlich-Rechtlichen vor derart peinlichen Dschungel-Tiefgängen bewahren. Wie's im Urwald aussieht, haben uns längst Bernhard Grzimek und der schielende Löwe Clarence gelehrt. Olivia Jones brauchen wir dazu nicht.

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Mittwoch, 20. Juni 2012 von Ralph Conzelmann

Ein Untergang in der Masse

Offene Sahne oder Butter zu kaufen – das waren früher Erlebnisse, die geprägt haben. Die Produkte haben von ihrer Herkunft erzählt, sie haben uns bewusst gemacht, wie die Nahrungskette funktioniert. Schuhe kaufte man früher im Schuhgeschäft, die Tinte für den Füller im Schreibwarenladen. Und Bücher im Buchhandel. Der unabhängige Einzelhändler war es uns wert, ein paar Schritte zu Fuß zu gehen und auf eine Ware zu warten, weil sie erst bestellt werden musste. Diese Individualität haben wir längst aufgegeben. Der Kunde möchte, ganz offenbar, in der Masse untergehen, verzichtet auf gute Beratung, auf die persönliche Ansprache, auf ein entsprechendes Ambiente. Gleiche Produkte, gleiche Ketten – Städte wie Läden werden austauschbar. Die Chance auf eine flächendeckende Renaissance der offenen Sahne ist vorbei. Vielleicht denken wir aber über andere Produkte nach – und darüber, in welcher Qualität, mit welchem Service und mit welchem Gewissen wir sie an welchem Ort erwerben. Anonym beim Filialisten und im Internet. Oder aber doch – solange es ihn gibt – beim Einzelhändler um die Ecke.

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Mittwoch, 21. März 2012 von Ralph Conzelmann

Eine Stärke, die imponiert

250 Tage und ein paar Meter lang ist die Wegstrecke, die ich als PR-Redakteur für den „oberen Bezirk“ nun zurückgelegt habe. Diesen überschaubaren Abschnitt pflastern ungewöhnlich viele Erlebnisse, Erkenntnisse und Ergebnisse. Es gab (zum Teil mehrfache) Besuche in 110 Firmen; von A wie Alber bis Z wie Zoller. Es ging um die Veranstaltungen von 40 Vereinen; von A wie ASV bis W wie WSV. Es handelte sich um Wirtschaftsnews im wortwörtlichen Sinn in 20 Gaststätten; diesmal von A wie Adler bis W wie Waldhorn. Es stand die Vorwerbung für 30 Gemeinschaftsaktionen an; von A wie Albstädter Kundenspiegel bis W wie Winterlinger Freibad Open Air. Hinzu kamen (PR-)Artikel über Schulen, Kindergärten, Kirchengemeinden, die Bundeswehr, Kliniken, über Konzerte, Neueröffnungen, Jubiläen, Pächterwechsel, und, und, und.

Diese gut 250 Tage bekräftigten mitunter Altes, primär brachten sie aber täglich Neues. Und vor allem taten sie eines: Sie zeigten, mit welcher Leidenschaft, mit welchem Können und mit welcher individuellen Stärke nahezu jeder Einzelne in dieser Region aufwarten kann. Das imponiert. Das motiviert. Deshalb: danke.

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Dienstag, 10. Januar 2012 von Ralph Conzelmann

Wunderbare Schulferien

Schulferien sind etwas Wunderbares. Gemeinsam mit den Kids die freien Tage verbringen, Wintersportfreuden genießen, die Seele baumeln lassen. Hätte die Sache nur nicht diesen gewaltigen Haken: Schulferien haben viele.

Nach Stop-and-go-Anreise und endlos anmutender Parkplatzsuche melden sich 350 Skischüler auf einen Schlag an. Mitten im dichten Schneetreiben können die Namensschilder gar nicht so schnell an die Jacke geheftet werden, wie sie der Sturm wieder ins Nirwana wegbläst. Zur besseren Orientierung trägt die Hälfte aller Kinder jene blauen Anoraks, die jüngst ein Discounter feil bot. Und zum Leidwesen aller kleidet sich dazu noch die Armada ihrer potenzieller Lehrer im selben Farbton.

Sind im wilden Durcheinander endlich die ersten Bögen geschwungen, ist an eine geruhsame Rast nicht zu denken. In Ermangelung von Sitzmöglichkeiten in den schmucklosen und dennoch hoffnungslos überfüllten SB-Restaurants (wieso nur sind die Toiletten hier i m m e r im Untergeschoss!?) bilden sich wahre Menschentrauben. Kind und Kegel bahnen sich einen Weg über am Boden liegende Pommes, Skimützen und -helme, die wie Bälle über die triefnassen Fliesen schlittern. Doch am Ende aller Wintersporttage tragen die Kinder jene große Zufriedenheit in sich, die die Eltern noch vermissen. Dafür schleppen sie Skier, Stöcke und Helme kilometerweit bis zum Auto. Voller Vorfreude auf die Nacht in der ausgebuchten Pension.

Wohl wahr: Schulferien sind etwas Wunderbares. Im Sommer dann wieder. Allerallerfrühestens.

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