Mittwoch, 5. September 2018 von Volker Bitzer

Dicke Luft unter dem Schirm

Sommerzeit ist Freiluft-Vergnügen. Was gibt es Schöneres, als draußen im Biergarten oder auf der Terrasse eines Restaurants die warmen Monate zu genießen? Bei einem kühlen Pils, 'nem schönen Rosé, einem Eisbecher oder einem Cappuccino. Das am besten im wohltuenden Schatten, von obenher gut beschirmt gegen die Sonne.

? Ja, das kann so richtig Spaß machen. Wäre da nicht hin und wieder richtig dicke Luft unter den großen Sonnenschirmen, die – geschickt überlappend aneinander gereiht – wie ein Dach für Behaglichkeit sorgen. Allerdings so auch den stinkenden Qualm der Raucher wie eine Dunstglocke über den Tischen halten. Das kann bisweilen so schlimm sein, dass man selbst im Sommer lieber im rauchfreien Innenraum sitzt.

? Die Gastronomie – bislang leider nur die etwas gehobenere – hat aber dankenswerterweise reagiert: Hier darf auch im Außenbereich nicht an allen Tischen frei drauflos gepafft werden. Hier gibt's, ausreichend distanziert, das Rauchereck: mit hindernislosem Abzug des blauen Dunstes gen Himmel. Freie Bahn also für ungesunde Laster. Und frischere Luft für leidende Mitmenschen.

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Donnerstag, 23. August 2018 von Volker Bitzer

Kreisel – fast eine runde Sache

Der Kreisverkehr ist eine tolle Erfindung. Sorgt er doch für einen flüssigen Verkehrsfluss aus zeitgleich mehreren Richtungen. Vorausgesetzt natürlich, dass ihn die Autofahrer auch richtig und zügig anwenden. Aber hier kommen manche automobilen Zeitgenossen immer noch gerne ins Stocken: Selbst in der Kreiselstadt Albstadt, wo das runde Verkehrsscharnier bereits in den 1990er-Jahren in großem Stil wiederbelebt worden ist und mittlerweile an zirka 20 Stellen schnelles Durchkommen garantieren soll. Halten sich alle an die Regeln, klappt das bestens. Nein, man braucht beim Einfahren nicht zu warten, bis der komplette Kreisel fahrzeugfrei ist. Beherzt einfahren ist die Devise. Ohne Blinker! Der ist überflüssig, denn wohin, außer rechts im Kreis herum, soll es denn gehen? Ja, er kann sogar in die Irre führen, wenn ein Wartender das Lichtzeichen falsch interpretiert.

? Raus aus dem Kreisel dafür mit Blinker. Nur das zeigt einem Wartenden, dass eine Lücke entsteht und er flugs reinfahren kann. Es wäre schön, wenn Blinkmuffel wenigstens hier nicht nur Egoismus walten ließen. Schließlich profitieren sie ja auch davon, wenn andere Verkehrsteilnehmer ihren Abbiegewillen – korrekterweise – per orangefarbenem Lichtzeichen zeitig kund tun. Das Prinzip Kreisverkehr ist ein solidarisches und funktioniert dann am besten, wenn alle richtig mitspielen.

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Mittwoch, 1. August 2018 von Volker Bitzer

Die Grande Dame der Alpen

Sie ist nicht mehr die Jüngste und hat auch schon ganz schön was schaffen müssen in ihrem mittlerweile 90 Jahre währenden Leben. Trotzdem kommt sie in feschem Rot daher, hat eine sportliche Figur und verlässt sich weiterhin auf ihre guten stählernen Verbindungen, die seit dem Jahre 1928 eine Lebensversicherung sind. Nicht nur für die älteste, noch im Original erhaltene Seilbahn der Welt selbst, vor allem für ihre Millionen an Passagieren.

? In etwas mehr als acht Minuten kommen die Fahrgäste von Bad Reichenhall, steil am Hang entlang mit bis zu 75 Prozent Steigung, hinauf auf den Predigtstuhl. Das ist recht schnell, aber auch gut so. Fasst eine der beiden, im Grundriss zwölfeckigen Gondeln, doch nur 25 Fahrgäste. Extrem wenig für heutige Verhältnisse. Langes Anstehen – sowohl in der Tal- als auch der Bergstation – ist also vorprogrammiert; erst recht bei schönem Alpenwetter.

? Aber keine Minute des Wartens ist vergeudet. Zum einen erwartet jeden eine spektakuläre Seilbahnfahrt, oben auf dem Gipfel belohnt ein atemberaubendes Panorama. Vor allem aber macht es großen Spaß, mit einem technischen Denkmal zu fahren.

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Freitag, 29. Juni 2018 von Volker Bitzer

Die Magie eines Fußballtrikots

Nein, ich habe in der Nacht auf Donnerstag nicht vom Fußball geträumt. Trotzdem setzte sich bei mir in einer wachen Minute ein kurioser Gedanke fest, der mich lange nicht mehr losließ: Habe ich womöglich eine Mitschuld an der Pleite der deutschen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Russland? Denn das allererste Mal in meinem Leben überhaupt habe ich – nicht gerade als der passionierte Fußball-Fan verschrien – gestern zur Fernseh-Übertragung einen original Deutschland-Dress getragen. Das grüne Auswärtstrikot war's. Jenes, in welchem Jogis Jungs gegen Südkorea einen Schlaftabletten-Kick auf den Rasen legten und letztlich erbärmlich untergingen. Omen? Aberglaube? Oder was auch immer ... Es sind ja oft die abstraktesten Bilder, die einen nachts im Bett beschäftigten. Noch nie in der WM-Geschichte waren die Deutschen so schlecht. Noch nie hatte ich bisher ein Deutschland-Trikot. Kaum bin ich Fußball-Laie einmal richtiger Fan und schon geht es so etwas von in die Hose. Welch merkwürdiger Zusammenhang? Wäre das tatsächlich so, dann wüsste ich nun zumindest, welches neue Trikot ich die nächsten Tage noch anziehen würde. Portugal vielleicht? Oder doch lieber Frankreich? Nein, Schweiz nicht. Denen drücke ich dann lieber die Daumen.

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Dienstag, 19. Juni 2018 von Volker Bitzer

Schwäbisch freundlich

Nedd g'scholta isch g'nuog globt. So heißt's. Klar, es ist ja hinlänglich bekannt, dass es der typische Schwabe nicht besonders mit dem Würdigen von Dingen oder Taten hält. Sagt er also gar nix, ist das schon eine recht hohe Anerkennung. Trotzdem erscheinen so manche ruppigen Schwäbisch-Floskeln bisweilen doch ein wenig deplatziert. So zum Beispiel im Restaurant.

? So habe ich in den vergangenen Wochen doch tatsächlich in gleich mehreren unterschiedlichen Gasthäusern vom Bedienpersonal beim Abtragen nach dem Essen ein und dieselbe Frage gehört: „Isch's reacht g'sei?“ Kurz und schmerzlos und offensichtlich überhaupt nicht despektierlich gemeint. Natürlich wollten die Kellner und Bedienungen vielmehr fragen: Hat es Ihnen denn geschmeckt? Oder: War alles in Ordnung und zu Ihrer Zufriedenheit? Sie wählten halt den urig schwäbischen Fragestil.

? Im Nachhinein habe ich mir überlegt, wie es aber wohl wäre, wenn ich im Wirtshaus die obligate Kellner-Nachfrage mit den gleichen Worten beantworten würde: „S'isch reacht g'sei!“ Da würde vermutlich so mancher recht große Augen bekommen.

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