Samstag, 23. Juni 2018 von Anna Wittmershaus

Ein echtes WM-Dilemma

Zum ersten Mal beteilige ich mich bei dieser Fußball-Weltmeisterschaft an einem Tippspiel. Davor habe ich nur ab und zu mit meinem Vater mal einen Tipp ausgetauscht. Nun rate ich mit meinen Kollegen aus der Redaktion um die Wette, wie die einzelnen Spiele denn ausgehen. Erst nach der Anmeldung zu dem Online-Tippspiel ist mir aufgefallen, dass ich als Sportredakteurin eigentlich nur verlieren kann. Schließlich bin ich vom Fach, während die anderen sich als Lokaljournalisten schön rausreden können, wenn es nicht gut läuft.

Also sitze ich nun bei jedem Spiel vor dem Fernseher oder habe während der Arbeit immer ein Auge auf den Live-Ticker. Ich muss zugeben, ich schaue jetzt die Spiele anders. Denn nun schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Normalerweise sympathisiere ich gern mit den Außenseitern wie Panama oder Island. Allerdings halte ich Siege dieser Mannschaften nicht immer für wahrscheinlich und habe gegen sie gewettet – und lag damit bislang leider auch oft ordentlich daneben. So sitze ich nun vor dem Fernseher oder PC-Bildschirm und kann mich nicht entscheiden, ob ich zum Beispiel lieber für einen Sieg der Isländer oder für Punkte auf meinem Tippspiel-Konto bin – ein echtes WM-Dilemma, denn es macht viel mehr Spaß die Spiele zu schauen, wenn man mit einer Mannschaft von ganzem Herzen mitfiebert.

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Freitag, 22. Dezember 2017 von Anna Wittmershaus

Weihnachten ohne Baum

Wie? Du hast keinen Weihnachtsbaum? Jedes Jahr bekomme ich diese Frage mindestens einmal zu hören. Meist begleitet von einem entsetzten Blick. So als hätte ich gerade erzählt, das ich schwer krank bin. Aber ja es stimmt: Ich habe keinen Weihnachtsbaum zu Hause. Das liegt aber daran, dass ich Weihnachten sowieso nie in meinen vier Wänden verbringe. Meistens bin ich über die Festtage bei meinen Eltern. Aber auch die haben seit fast 20 Jahren keinen Tannenbaum mehr in ihrem Haus.

Als ich klein war, hatten wir natürlich einen, sogar mit echten Kerzen. Doch als wir in ein Holzhaus zogen, beschlossen meine Eltern sowohl auf die Kerzen als auch auf den Baum zu verzichten. Auf die Kerzen, wegen der Brandgefahr und auf den Baum aus Platzgründen. Dennoch fehlt mir an Weihnachten nichts. Denn jedes Jahr wird ein Holzbalken kurzer Hand mit Tannengirlande und Lichterkette umwickelt. An Weihnachten schmücken wir das Werk dann auch noch mit Christbaumkugeln und Strohsternen. Und ob Sie's glauben oder nicht – es sieht schön aus und versetzt mich jedes Jahr in Weihnachtsstimmung. Außerdem kommt es mir an Weihnachten nicht auf den Baum an, sondern darauf, Zeit mit meiner Familie zu verbringen.

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Freitag, 27. Oktober 2017 von Anna Wittmershaus

Gänsehaut auf dem Betzenberg

Kaiserslautern gegen den VfB Stuttgart – zugegeben selbst im DFB-Pokal zurzeit nicht das Topspiel unter den Fußballspielen. Bei dem Duell des Stuttgarter Erstligisten gegen die kriselnden Pfälzer aus Liga zwei waren die Rollen schon vor dem Spiel verteilt, wie wir Sportjournalisten gerne sagen. Für mich war die Begegnung aber dennoch etwas Besonderes. Zum einen, da ich selbst VfB-Fan bin und mein Partner aus der Nähe von Kaiserslautern stammt. Es ist für mich immer wieder beeindrucken zu sehen, wie sich aus meinem Freund, der sich sonst kaum mit dem FCK beschäftigt, ein leidenschaftlicher Fußball-Anhänger wird, sobald er einen Fuß ins Fritz-Walter-Stadion setzt. Leidenschaftlich fiebert er mit und diskutiert mit anderen über die Begegnung. Noch beeindruckender waren für mich aber die Hardcore-Fans aus Kaiserslautern. Trotz turbulenter Zeiten war auch am Mittwoch die Westkurve fast bis obenhin voll. Die Stimmung war gut – auch nach dem 1:3 und der Gewissheit, dass die nächste Pleite drohte, bleiben die Fans auf ihren Plätzen und machten weiter Stimmung. Kurz vor Abpfiff stimmten sie dann noch die Fußballhymne „You'll never walk alone“ an – auch für mich als VfB-Fan war das ein Gänsehautmoment auf dem Betzenberg.

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Freitag, 13. Januar 2017 von Anna Wittmershaus

Schwäbin ohne Dialekt

S ie sind aber nicht von hier oder?“ Seit ich im Zuge meiner Ausbildung die Sportredaktion verlassen habe, um in verschiedene andere Redaktionen reinzuschnuppern, höre ich diese Frage sehr häufig. Manchmal auch in abgewandelter Form. Dann heißt es: „Sie sind aber keine Schwäbin oder?“

Ich gebe zu, ich bin nicht direkt von hier. Geboren bin ich in Reutlingen, aufgewachsen im Steinlachtal. Erst mein Job beim Zollern-Alb-Kurier hat mich in den Zollernalbkreis verschlagen. Sicher, bei den meisten Schwaben wäre das auch nicht so direkt aufgefallen. Bei mir allerdings schon.

Ich spreche nämlich nur bedingt Schwäbisch. Mein Vater meinte einmal zu mir, ich sei zweisprachig aufgewachsen. Zwar ist auch er im Steinlachtal groß geworden, doch da seine Eltern aus Norddeutschland kommen, hat er – zumindest sprachlich – auch in diesem Sinne eine Prägung. Er spricht auch nach Jahrzehnten eher Hochdeutsch mit schwäbischer Färbung. Anders meine Mutter, der es doch einiges an Mühe kostet, ohne schwäbischen Dialekt zu sprechen. Daher bin ich sowohl des Schwäbischen als auch des Hochdeutschen mächtig.

Im Alltag ergibt sich daraus eine interessante Mischung, bei der der schwäbische Dialekt oftmals in den Hintergrund rückt. Dennoch würde ich mich als Schwäbin bezeichnen, auch wenn man es nicht sofort hört.

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