Dienstag, 6. März 2018 von Michael Würz

Einbahnstraße, Hausnummer 9

Eigentlich hatte der Tourist aus England kürzlich alles richtig gemacht. Eigentlich. Für den Fall, dass er nach seinem Spaziergang nicht mehr zu seiner Hechinger Gastfamilie zurückfinden sollte, hatte er extra noch mal einen Blick auf das Straßenschild geworfen und sich den Namen der Straße ganz genau eingeprägt. Der befürchtete Notfall trat dann auch prompt ein; der Mann fand nicht mehr zurück. Doch die Lage war nicht aussichtslos: Auf dem Hof des Polizeireviers in Hechingen lief er einem Polizeibeamten über den Weg, dem er sein Malheur sogleich schilderte. Ein größeres Problem? Nein, denn natürlich habe er sich die Adresse der Familie gemerkt: Die wohne in der Einbahnstraße, Hausnummer 9. Ups. Der freundliche Beamte nahm sich dem orientierungslosen Spaziergänger trotz des kuriosen Missverständnisses an. Anhand des Namens der Familie recherchierte der Polizist die tatsächliche Adresse der Gastgeber – und fuhr den überaus dankbaren Touristen kurzerhand an die richtige Adresse. Frei nach dem Motto „Wo bitte geht's zur Einbahnstraße?“ schreibt die Polizei auf ihrer Facebookseite: „Wir helfen gerne, wenn jemand einmal nicht weiß, wo es langgeht.“

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Donnerstag, 28. September 2017 von Michael Würz

Skrupellose Journalisten

Ein Dreifachmord erschüttert am 15. September Villingendorf bei Rottweil: Drei Menschen, darunter ein sechsjähriger Junge, sterben. Noch in der Nacht wird bekannt: Der bewaffnete, mutmaßlich gefährliche Täter ist auf der Flucht. Das bedeutet: Nachtschicht in der ZAK-Redaktion. Bis in die Morgenstunden haben wir, in Zusammenarbeit mit der Neuen Rottweiler Zeitung, unsere Leser auf zak.de auf dem Laufenden gehalten, die darauffolgenden Tage sowieso. Genau wie zahlreiche Fernsehteams, die sich nach Villingendorf aufgemacht hatten. Der SWR, das ZDF. „Die guten Teams“, wie NRWZ-Chefredakteur Peter Arnegger, der in Villingendorf tagelang ganz vorne dran war, sagt.

Komplett daneben benommen haben sich indes Reporter einer Produktionsfirma, die der Privatsender RTL nach Villingendorf geschickt hatte. Ihr Ziel offenbar: ein Interview mit der Klassenlehrerin des getöteten Sechsjährigen – mit Erstklässlern im Hintergrund. So machte sich der Reporter auf, vorbei am Sekretariat, direkt in ein Klassenzimmer. Ins falsche zunächst, da flog er raus, genau wie bei seinem zweiten Anlauf im Klassenzimmer des getöteten Jungen. Das ging nun selbst den (gewöhnlich recht schmerzfreien) Verantwortlichen im Hause RTL zu weit: Ein Mitarbeiter des Senders meldete sich dieser Tage bei Schulrektor Rainer Kropp-Kurta – und bat um Entschuldigung für das zweifelhafte Verhalten des Reporters. Wenigstens das.

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Sonntag, 13. August 2017 von Michael Würz

Die gute Seite des Internets

In der Poststelle des Albertinen-Krankenhauses in Hamburg ist was los: Aus ganz Deutschland trudeln dort seit Tagen Genesungswünsche für einen ihrer Patienten ein – Reinhard Beeck, der einen Schlaganfall hatte und für Monate in der Klinik bleiben muss. Und sich, wie das so ist im Krankenhaus, langweilt. „Hey Internet, schreibt ihm eine Urlaubskarte“, twitterte deshalb Beecks Sohn Torsten kurzerhand aus dem Urlaub in Kärnten. Torsten Beeck, als Journalist bestens vernetzt, berührt mit seinem Tweet viele; einer nach dem anderen schickt seine Postkarte in die Hamburger Klinik. Unter dem Hashtag

#PapaBekommtPost sammeln sie Fotos der Zuschriften. Und Torsten Beeck, der als Social-Media-Chef bei Spiegel Online arbeitet, twittert: „Er versteht bis heute nicht so recht, was ich beruflich mache. Das mit den Karten versteht er.“ Da soll noch einer sagen, im Internet gebe es nur Hass und Hetze. PS: Wer dem Vater des Kollegen ebenfalls eine Freude machen möchte: Reinhard Beeck, c/o Albertinen-Krankenhaus, Süntelstraße 11a, 22457 Hamburg.

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Samstag, 11. Februar 2017 von Michael Würz

Eine große Geschichte

Wie gehen wir gerecht mit Themen um? Wie werden wir denjenigen gerecht, die sich in Vereinen oder anderweitig in besonderem Maße engagieren und sich wünschen, dass die Zeitung über sie berichtet? Kaum eine Frage beschäftigt uns in der Lokalredaktion so häufig, kaum eine Entscheidung fällt uns so schwer. Allen gerecht zu werden, das ist häufig schwieriger als uns lieb ist – sei es aufgrund der aktuellen Nachrichtenlage, sei es aufgrund der schieren Menge an „Material“, das in die Redaktion flattert. Und dann sind da diese Geschichten, die schlicht den Platz brauchen, den sie verdienen. So wie die von Marc Happle aus Albstadt.

Der 28-Jährige leidet seit seiner Geburt an Mukoviszidose. Mit Mitte 20, als andere auf Partys gehen, erlebt er die schlimmste Zeit. Nun, seit zwei Jahren, findet er mit einer transplantierten Lunge auf beeindruckende Weise zurück ins Leben, will gar beim Albstadt-Bike-Marathon antreten. Doch zu denen, die gerne über sich in der Zeitung lesen, gehörte er nie. Heute dürfen wir seine Geschichte erzählen, Marc will sie erzählen. Sie ist eine dieser Geschichten, denen man kaum gerecht werden kann, wenn man sie in aller Kürze erzählt. Deshalb räumen wir ihr heute eine ganze Seite ein.

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Samstag, 7. Januar 2017 von Michael Würz

Mit Vollgas ins Unglück?

So ein Lokalreporter gehört gemeinhin nicht zur Gruppe derjenigen Autofahrer, die zum akuten Verkehrshindernis werden, wenn ein paar Schneeflocken fallen – schließlich ist unsereins viel unterwegs, Tag und Nacht, bei Wind und Wetter. Dennoch: Am Donnerstagmorgen traue ich meinen Augen kaum. Der Winterdienst ist gegen 5.30 Uhr mit allem unterwegs, was eine Schaufel hat. Gleichwohl wird die Fahrt auf der B 463 zwischen Albstadt und Balingen zu einer einzigen Rutschpartie. Die Schneedecke ist festgefahren, stellenweise ist es spiegelglatt. Das scheint an dem Fahrer eines Kleintransporters entweder vorbeizugehen – oder es ist ihm schlicht egal. Er zieht mit Karacho vorbei, und ich bin dankbar dafür, dass die tollkühne Nummer gut geht. Ein paar Minuten später, kurz vor der Ausfahrt nach Dürrwangen, überholt der Sigmaringer Fahrer eines Mercedes-Kombis gleich eine ganze Autokolonne. Das geht um ein Haar schief: Der Wagen schlingert bereits, dann kommt auch noch Gegenverkehr aus Richtung Balingen. Der Mann presst seinen Wagen gleichermaßen rücksichtslos wie notgedrungen zurück in die Kolonne, direkt vor einen Lastwagen, dessen Fahrer seinen erhöhten Puls per Lichthupe sprechen lässt. Hinter dem Lastwagen klebt – mit einem gefühlten halben Meter Abstand – der Transporter, der mich in Albstadt mit Vollgas überholt hatte. Ich frage mich, ob der Mann eine Frau zu Hause hat, vielleicht Kinder. Und bin heilfroh, als ich unbeschadet in der Redaktion ankomme.

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