Dienstag, 11. September 2018 von Nicole Leukhardt

Schlaf gut, Helikopterkind

Kinder sind eine absolute Bereicherung. Daran soll kein Zweifel aufkommen, wenngleich ich vor meiner Mutterschaft eine eher naive Sicht auf manche Dinge hatte. Seit der Geburt meiner Tochter lande ich öfter auf dem Boden der Tatsachen als mir lieb ist. Manchmal sogar beinahe im Wortsinn. Denn wer glaubt, ein Kind im Gräbele liege einfach nur da und kuschle sich allenfalls hin und wieder schutzsuchend, von Albträumen geplagt, an Mamas oder Papas Schulter, hat entweder keine Kinder oder kein Gräbele oder ein schlechtes Gedächtnis. Unsere Fünfjährige im Elternbett entwickelt durch fortwährende Rotation um die eigene Achse das Raumbedürfnis eines landenden Helikopters, dessen Pilot die erste Flugstunde absolviert. Mal liegt ein Kopf auf dem Kissen neben mir, mal Füße. Mal liegen auch Kind und Kissen auf mir. Früher hatte ich eine REM-Phase, heute habe ich eine Ramm-Phase. Die Einzige, die sich morgens genüsslich streckt und von den nächtlichen Exkursionen quer durch zwei Betten und retour nichts mitgekriegt hat, ist meine Tochter. Dafür gab sie mir nach unserer Diskussion neulich, wer in welchem Bett am besten aufgehoben wäre, einen guten Tipp: „Es ist schon ok, wenn ich bei Euch bin. Die Mama müsste sich halt manchmal ein biiisschen dünner machen.“ Na dann – gute Nacht, geliebter Helikopter.

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Donnerstag, 6. September 2018 von Nicole Leukhardt

Aber bitte mit Schlagobers!

Wer fremde Sprachen nicht kennt, weiß nichts von seiner eigenen – dieses Sprichwort wird Goethe zugeschrieben. Was Goethe verschwieg – man kann drei Fremdsprachen relativ gut beherrschen und in Österreich trotzdem an der Speisekarte scheitern. Im Café Graf Leopold, just unterhalb des Grazer Uhrturms, blätterte ich mit knurrendem Magen durch die Speisenauswahl. Dass man in Österreich nicht einfach Kaffee trinkt, sondern einen Braunen oder einen Verlängerten mit Schlagobers bestellt, finde ich ganz charmant. Ich ging trotzdem auf Nummer sicher und bestellte einfach Cappuccino. Auch unter einem Antipastiglaserl konnte ich mir noch etwas vorstellen. Endgültig ratlos ließ mich allerdings das Angebot „Verhackert oder Grammelschmalz im Glas“ zurück. Die Googlesuche war hilfreich: Verhackert ist ein Brotaufstrich aus Speck, Grammelschmalz ist auf der Alb als Griebenschmalz bekannt. Wer die Speisekarte ins Englische übersetzt hat, war wohl trotzdem kein Goethe-Fan. Denn aus „Verhackert oder Grammelschmalz“ wurde „Verhackert or Kren (horseradish)“. Und wie das Schmalz zum Meerrettich wird, ist vermutlich ein weiteres gut gehütetes Geheimnis steirischer Küche.

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Mittwoch, 18. Juli 2018 von Nicole Leukhardt

Von Hamstern und Ministern

Meine Tochter saß neulich wutschnaubend auf dem Sofa. Einerseits, weil die Rabenmutter darauf bestanden hat, dass der Fernseher ausgemacht wird. Andererseits, weil ich herzlich über ihren Verhörer gelacht hatte. „Ich will Erwin und die Chipmunks sehen“, hatte sie protestiert. Ich habe vergeblich versucht, sie zu überzeugen, dass der Anführer der Comic-Streifenhörnchen Alvin und nicht Erwin heißt. Sie ahnen es – ich hatte keine Chance. Dabei habe ich mich auch schon öfter völlig verhört. Dass es in dem Lied der Gruppe „Ich + Ich“ nicht um einen sich echauffierenden Nager handelt, habe ich recht schnell verstanden. Der Sänger singt nämlich „Es tobt der Hass, da vor meinem Fenster“. Einen tobenden Hamster vor dem Fenster finde ich persönlich aber einfach witziger. Erst vor wenigen Monaten allerdings hat mein Mann mir unter schallendem Gelächter erklärt, dass die Kriegsminister aus Nenas Hit 99 Luftballons keineswegs eine liebevolle Beziehung zum Treibstoff haben. Ich hatte nämlich immer „99 Kriegsminister streichelten Benzinkanister“ gesungen. Das Streichholz habe ich da nie gehört.

Wie geht's Ihnen, haben Sie sich auch schon mal über seltsame Textzeilen gewundert? Schreiben Sie's mir, Erwin, der Hamster und ich freuen uns schon!

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Donnerstag, 5. Juli 2018 von Nicole Leukhardt

Sie werden so schnell groß ...

Ich bin ja ein großer Fan von selbstständigen Kindern. Während viele Mamas in meinem Umfeld der längst vergangenen Babyzeit nachtrauern und seufzend feststellen, dass die Kinder viel zu schnell groß werden, freue ich mich über jeden Entwicklungsschritt, der aus meinem kleinen Mädchen ein großes macht. Denn nicht nur meine Tochter wächst, auch ich wachse an ihr. So habe ich beispielsweise gelernt, meine Wünsche ganz präzise zu formulieren. Ein einfaches „Bitte bring die Legos in Dein Zimmer“ führt beispielsweise dazu, dass ich die bunten Bauklötze fünf Zentimeter hinter der Schwelle der Kinderzimmertür finde. Auftrag korrekt ausgeführt. Findet mein Kind. Wozu unklare Kommunikation noch führen kann, erlebte ich just vor wenigen Tagen. Auf die Frage „darf ich mal Freunde einladen“, sagte ich großzügig „ja klar“. Ich stellte mir zwei bis drei Kinder vor, die einen sonnigen Nachmittag in unserem Spielhaus verbringen würden. Bis mich diverse Mütter anschrieben, um zu fragen, was es mit dieser Sommerparty auf dem Sportplatz mit Übernachtung in Zelten denn auf sich habe. Mein fünfjähriges Kind hatte da wohl einen etwas anderen Plan im Kopf als ich. Und beim Gedanken an kommende Teenie-Zeiten verstehe ich nun doch ein wenig, was am Krabbelalter so schön war ...

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Freitag, 15. Juni 2018 von Nicole Leukhardt

Mit der Mücke zum Elefanten

Kennen Sie die Redewendung „aus einer Mücke einen Elefanten machen“? Das Sprichwort ist grottenfalsch. Richtig müsste es heißen: Mit einer Mücke einen Elefanten machen. Ich erkläre auch gern, weshalb. Am Montag vergangener Woche brachte ich meine Tochter frühmorgens auf den Wanderparkplatz, wo ihre Kindergartengruppe sich zum Start in die Waldwoche aufmachte. Als ich in mein Auto stieg, juckte mich mein rechter Knöchel. Ich sah eine etwas dicke Stelle und in deren Mitte einen blutigen Punkt. Ich beschloss, den juckenden Mückenstich so gut ich konnte zu ignorieren. Am Dienstag war die Stelle großflächig rot und heiß geworden. Im Lauf des Dienstags geschah dann etwas Seltsames: Mein kompletter Knöchel begann zu wachsen und hörte gar nicht mehr auf. Am Mittwoch war er so angeschwollen, dass ich mit der Grazie eines fußlahmen Elefanten zum Arzt humpelte. Dieser diagnostizierte eine starke, allergische Reaktion, ein Antiallergikum ließ den Fuß einen weiteren Tag später wieder auf Normalmaß schrumpfen. Der Mücke allerdings wünsche ich von Herzen, dass ihr ein Elefant begegnet, der sie zur Schnecke macht. Aber ordentlich.

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.
<123456>