Freitag, 15. Juni 2018 von Nicole Leukhardt

Mit der Mücke zum Elefanten

Kennen Sie die Redewendung „aus einer Mücke einen Elefanten machen“? Das Sprichwort ist grottenfalsch. Richtig müsste es heißen: Mit einer Mücke einen Elefanten machen. Ich erkläre auch gern, weshalb. Am Montag vergangener Woche brachte ich meine Tochter frühmorgens auf den Wanderparkplatz, wo ihre Kindergartengruppe sich zum Start in die Waldwoche aufmachte. Als ich in mein Auto stieg, juckte mich mein rechter Knöchel. Ich sah eine etwas dicke Stelle und in deren Mitte einen blutigen Punkt. Ich beschloss, den juckenden Mückenstich so gut ich konnte zu ignorieren. Am Dienstag war die Stelle großflächig rot und heiß geworden. Im Lauf des Dienstags geschah dann etwas Seltsames: Mein kompletter Knöchel begann zu wachsen und hörte gar nicht mehr auf. Am Mittwoch war er so angeschwollen, dass ich mit der Grazie eines fußlahmen Elefanten zum Arzt humpelte. Dieser diagnostizierte eine starke, allergische Reaktion, ein Antiallergikum ließ den Fuß einen weiteren Tag später wieder auf Normalmaß schrumpfen. Der Mücke allerdings wünsche ich von Herzen, dass ihr ein Elefant begegnet, der sie zur Schnecke macht. Aber ordentlich.

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Mittwoch, 9. Mai 2018 von Nicole Leukhardt

Kind, sag die Wahrheit

Kinder und Betrunkene sagen die Wahrheit, sagt man. Zumindest was die Kinder angeht, habe ich einschlägige Erfahrungen. Ich war neulich mit meiner Tochter in der Stadt. Nach einem ausgedehnten Bummel vermeldete das Kind plötzlich Hunger, der keinesfalls mehr den Weg bis zum heimischen Kühlschrank aushalten konnte. Wir suchten also die nächste Bäckerei auf und besorgten gleich Brötchen fürs Abendessen. Nachdem wir bezahlt hatten, reichte die Verkäuferin eine kleine Brezel über die Ladentheke. Zwar bedankte sich meine Tochter artig, konstatierte aber beim ersten Bissen noch im Laden: „Mama, die kannst Du essen, die ist bockelhart.“

Dass nicht nur ich so ein wahrheitsliebendes Kind habe, haben auch andere Eltern schon erlebt. Neulich stand ich auf dem Kindergartenparkplatz und plauderte noch kurz mit einer anderen Mama. Meine Tochter war bereits eingestiegen, als sich ein Kindergartenkumpel neugierig über sie beugte, um unser Auto von innen in Augenschein zu nehmen. Als der Kleine wieder auftauchte, sagte er anerkennend: „Tolle Ausstattung.“ Unnötigerweise fügte er an: „Aber halt dreckig wie d'Sau.“

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Freitag, 4. Mai 2018 von Nicole Leukhardt

Gelb macht nicht glücklich

Urlaub muss auch mal sein, sagte meine Familie kürzlich und lotste mich weg vom Schreibtisch und hin zur Strandpromenade des Bodensees. Und sie hatte Recht – wir genossen ein paar unbeschwerte Tage und waren viel in der Natur. Als wir wieder zurückkamen, stellte ich fest, dass die Natur in unserer Abwesenheit dafür bei uns war. Durch ein vergessenes, gekipptes Fenster hatte gefühlt ein Zentner Blütenstaub den Weg in unsere Küche gefunden. Vom Fensterbrett, über die Kaffeemaschine und sämtliche Ablagen sogar bis hinein in die Schubladen hatte sich ein feiner, zartgelber Schleier ausgebreitet. Kurz überlegte ich, die farblich neugestaltete Küche einfach hinzunehmen. Entspannt, mit einem Kaffee in der Hand. Beim Blick auf den Grund meiner Lieblingstasse verwarf ich die Idee seufzend wieder. Sie ahnen weshalb. Und so nutzte ich den Tag der Arbeit für eine Generalreinigung meiner Küche. Geld macht nicht glücklich, heißt es. Gelb übrigens auch nicht.

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Donnerstag, 5. April 2018 von Nicole Leukhardt

Tausche Tulpe gegen Tube

Daf ift mir viel tfu faahrf“, beschwerte sich meine fünfjährige Tochter neulich und verzog angewidert das Gesicht. Ich hatte sie überredet, sich mit Zahnpasta für Erwachsene die Zähne zu putzen. Denn die Tube mit Kinderzahnpasta, die wir zu unserem Wochenendtrip in den Schwarzwald mitgenommen hatten, erwies sich just abends am Hotelwaschbecken als ziemlich leer. „Kein Problem, wir kaufen morgen eine neue“, sagte ich. Da wusste ich allerdings noch nicht, dass es in ganz Zell am Harmersbach kein Drogeriegeschäft gibt. Die großen Supermärkte waren zu Fuß unerreichbar, das Auto mit meinem Mann unterwegs. In einer Apotheke schließlich traf ich auf eine herzensgute Verkäuferin, die zwar bedauerte, keine Kinderzahnpasta im Sortiment zu haben, uns jedoch aus ihrem Sammelsurium an Mustern ein unscharfes Tüble heraussuchte. Und schenkte. Wir freuten uns und beschlossen noch auf den Stufen der Apotheke, der netten Dame im Gegenzug eine Freude zu machen. Weil just nebenan eine Gärtnerei mit bunten Frühjahrsblumen einen wahren Farbenrausch ins Schaufenster zauberte, kauften wir eine bunte Tulpe mit ein bisschen Grün, kehrten um und legten sie der verblüfften Verkäuferin als Dankeschön auf den Tresen. Im

Hinausgehen hörte ich, wie sie zu einer Kollegin sagte „Du glaubst nicht, was mir grade passiert ist.“ Lassen Sie sowas öfter passieren, es kommt zurück!

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Samstag, 31. März 2018 von Nicole Leukhardt

Tierisch gruselig!

Haben Sie Lust, sich ein bisschen zu gruseln? Dann erzähle ich Ihnen, was sich neulich spätabends im Hause Leukhardt zugetragen hat. Es war ein Dienstagabend, meine Tochter und ich hatten nach der Gutenachtgeschichte im Kinderzimmer gerade das Licht gelöscht. Ich lauschte dem Ruf des Käuzchens vor dem Fenster und den immer ruhiger werdenden Atemzügen meiner Tochter. Plötzlich wurde die Stille von einem vernehmlichen Rascheln unterbrochen. Wenige Augenblicke später fragte das vermeintlich schlafende Kind „Was war das?“ Weil sie mir hoch und heilig schwor, nicht selbst Verursacherin des Geraschels gewesen zu sein, knipsten wir das Licht an. Wir räumten Kissen und Kuscheltiere zur Seite, fanden aber nichts Verdächtiges. Schließlich legten wir uns alle möglichen Erklärungen zurecht, woher das Geräusch wohl gekommen war. Einigermaßen beruhigt löschten wir das Licht wieder. Sie ahnen es. Keine zwei Minuten später: Raschelraschel. Aber diesmal konnte ich die Quelle des Geräuschs nicht nur besser lokalisieren, ich konnte den Störenfried sogar sehen: Im Schein des kleinen Nachtlichts bewegten sich die acht langen Beine einer großen Winkelspinne über die Reispapierlampe auf dem Nachttisch. Wir haben sie mit Herzklopfen und einem Glas eingefangen und ins Freie befördert. Und sind schließlich nach so viel nächtlicher Action doch noch irgendwann eingeschlafen. Aber mit ein bisschen Gänsehaut.

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