Donnerstag, 22. März 2018 von Jasmin Alber

Antiheld hält den Spiegel vor

Herr Kaiser und Frau Antje heißen im 21. Jahrhundert Bibi und Julienco. Sie werden auch nicht mehr Werbefigur, sondern Influencer genannt und haben mit ihren Video- und Fotobeiträgen in sozialen Netzwerken, wie der Name verrät, vor allem auf die jüngere Zielgruppe ordentlich Einfluss. Manchmal nimmt die vermeintlich ausgeklügelte Produktplatzierung eher kuriose Züge an. So wird von dem ein oder anderen Beeinflusser auch in aller Hektik schon mal der Auftragstext mit Anweisungen des Turnschuhherstellers veröffentlicht. Ein anderer steht – total realistisch – mit einem Föhn auf dem Markusplatz in Venedig oder zeigt sich kuschelnd mit einer Flasche Flüssigwaschmittel. Dass die Internetsternchen mal mehr, mal weniger subtil Werbung für die Produkte machen, lassen sich die Hersteller einiges kosten. So verdient die wohl bekannteste Bloggerin Deutschlands mit ihren Videos geschätzte 110 000 Euro – pro Monat! Das war erst kürzlich in einem Bericht des Wirtschaftsmagazins Brand Eins zu lesen. Der Berliner Kevin Funke ist nun auch auf den Zug des sogenannten Influencer-Marketings aufgesprungen, nur in die gerade umgekehrte Richtung. Als selbsternannter Outfluencer, der so überhaupt nicht dem typischen Erscheinungsbild der modernen Werbeikonen entspricht, macht er in seinen Videobeiträgen so lange (selbstverständlich ungefragt) Werbung für bekannte Produkte, bis die Unternehmen eine Art „Lösegeld“ zahlen. Und hält damit der ganzen Branche – wie ich finde sehr sympathisch – als Antiheld den Spiegel vor.

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Samstag, 1. Juli 2017 von Jasmin Alber

Erste Hilfe bei „Stichwunden“

Sie kommen nachts, wenn alle schlafen. Und weder geschlossene Fenster noch eigens angebrachte, feinmaschige Schutzvorrichtungen scheinen sie abzuhalten. Die stechwütigen Räuber finden stets ein Schlupfloch. Spätestens am nächsten Morgen kommt das böse, oder in diesem Fall geschwollene und juckende Erwachen. „Nicht kratzen“, ist ein gut gemeinter Rat. Jedoch ist der Wille meist nicht stark genug, wenn der Stich so richtig „beißt“. Aber was hilft, wenn die Schnake zugeschlagen und die spärlich bestückte Hausapotheke kein Antihistamin-Gel vorrätig hat? Das Internet listet eine Reihe von Hausmittelchen auf, die ich im Selbstversuch ausprobiert habe. Kühlen – hilft nur kurzfristig. Zwiebeln – nun ja, was ich nicht im Essen mag, will ich mir nicht auf die Haut legen und auch keine entsprechende Duftmarke verbreiten. Einen heißen Löffel auf den Stich drücken – schmerzt eher, als dass er hilft. Spitzwegerichblätter – als Laie tut man sich schwer, das entsprechende Kraut in der Natur zu finden. Fast schon hätte ich mich mit meinem Schicksal abgefunden, da tauchte in der Liste ein zunächst abstrus klingendes Mittel auf, das ich sogar vorrätig hatte: Kokosöl. Tatsächlich, es funktioniert! Und bringt noch weitere Vorteile mit sich. Das an sich zum Kochen gebrauchte Öl ist recht geruchsneutral, unsichtbar und wirkt noch lange Zeit nach dem Auftragen.

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Freitag, 18. November 2016 von Jasmin Alber

Ein Hoch auf unsere Sprache

Der Verlag der Oxford Dictionaries hat „postfaktisch“ zum internationalen Wort des Jahres 2016 gekürt. Ein Wort, das nur eines von vielen Beispielen ist, wie schön die deutsche Sprache sein kann. Denn im Gegensatz zum englischen Original (post-truth, etwa: Nach-Wahrheit) gibt es im Deutschen nicht nur ein Koppelwort, sondern ein eigenständiges Adjektiv. Diese zwölf Buchstaben beschreiben den Zustand, wenn die öffentliche Meinung nicht durch Fakten, sondern durch das Hervorrufen von Gefühlen bestimmt wird. Ganz aktuell ist das Phänomen bei Brexit und US-Wahl zu bestaunen. Ein Wort also, für dessen Erklärung ein langer Satz nötig ist. Während in vielen anderen Sprachen oft einfach nur der Zustand umschrieben wird, werden im Deutschen eigene, quasi selbsterklärende Begriffe geschaffen. Fernweh, ausgeklügelt, Sehnsucht oder Fingerspitzengefühl sind echte (und meist unübersetzbare) Wortschätze. Bei all der Bewunderung für die Sprache, ist es für mich besonders spannend, welcher Begriff zum Jugendwort des Jahres gekürt wird. Heute wird von einer Jury entschieden, was der Nachfolger von „Smombie“ ist. Meine Favoriten – darunter „kirscheln“, also emotional wie zwei Kirschen verbunden zu sein – haben sich in den vergangenen Jahren leider nie durchgesetzt.

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Freitag, 10. Juni 2016 von Jasmin Alber

EM-Fieber wird zur Epidemie

Die Fußball-EM steht vor der Tür. Die Solidarität zur deutschen Nationalmannschaft scheint ungebrochen, sowohl bei Privatpartys als auch beim Public Viewing mit anschließendem Autokorso wird ordentlich mitgefiebert. Das ist auch gut so, König Fußball darf in den kommenden Wochen regieren. Und da werden selbst Fußballmuffel wie ich gerne mitgerissen, wenn Jogis Jungs auf den Rasen laufen. Doch das Fanzubehör nimmt meiner Meinung nach langsam kuriose Züge an. Sich in die Trikots zu werfen, wenn gemeinsam Fußball geschaut wird, ist mehr als legitim und das Auto mit Fähnchen und Aufklebern schwarz-rot-gold zu dekorieren für viele eingefleischte Fans Pflicht. Aber braucht es EM-Knabberzeug, Mannschaftsgrillschürzen und Filzpantoffeln mit Deutschlandflagge? Außerdem im Angebot: Gartenzwerge mit DFB-Trikot, Damenkleider, Unterwäsche und Haargummis in den deutschen Nationalfarben, Mottogrillgut wie „Freistoßfilets“, Pflanzen im Fußballblumentopf und – allen Ernstes – Toilettenpapier mit Fußballmotiven. Dabei handelt es sich nicht um einen Händler, der diese Produkte anbietet. Vom Discounter bis zum Premium-Bekleidungshersteller machen offenbar alle mit, sich das EM-Fieber der Deutschen zunutze zu machen. Bleibt zu hoffen, dass die Nationalelf im Turnier auch entsprechend siegreich ist und an den WM-Erfolg anknüpft – selbstverständlich nicht nur aus Konsumsicht.

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Freitag, 13. Mai 2016 von Jasmin Alber

Flusen statt Reinheit

Deutschland ist eine Biernation. Jeder Bundesbürger konsumiert jährlich im Schnitt 107,4 Liter des Hopfen- und Malzgebräus. Für beste Qualität sorgt hierzulande das strenge Reinheitsgebot, das es immerhin schon seit 500 Jahren gibt. In Australien hingegen nimmt man es da nicht so genau. Eine kleine Privatbrauerei hat dort nämlich ein Bier mit einem ganz besonderen Inhaltsstoff gebraut: Bauchnabelflusen. Kein Scherz! Genauer gesagt wurde das Craft-Beer mit der Hefe gebraut, die aus den Ablagerungen in den Bauchnabeln der Brauer erzeugt worden ist. Die Hersteller wollen eigenen Angaben zufolge auf diese Weise dem Hopfenerzeugnis eine ganz persönliche Note gebe – im wahrsten Sinne des Wortes. Man kann ja die Pingeligkeit der Deutschen bei der Herstellung des traditionsreichen Getränks belächeln, Bierliebhaber sein oder nicht, aber dieser ganz spezielle Zusatz erzeugt meiner Meinung nach keinen Kauf-, sondern eher einen Würgereflex. Was allerdings auffällt: Bier und Bauchnabel scheinen weltweit eine ganz eigene Verbindung zu haben. In einem Werbespot erinnerte sich schließlich schon vor etlichen Jahren eine Dame mit französischem Akzent an schöne Momente der Zweisamkeit und an das „Bier, das so schön 'at geprickelt in mein' Bauchnabeeel“.

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