Freitag, 21. September 2018 von Holger Much

Das gibt fast einen Caprese

Gibt es eigentlich so etwas wie einen Pulitzerpreis für herausragende gärtnerische Glanzleistungen? Wenn ja, hätte meine Frau diese Auszeichnung mehr als verdient.

? Sie hegt und pflegt seit vielen Jahren drei Olivenbäumchen, die auch stets Jahr für Jahr tapfer austreiben und sogar ab und an kleine Blüten ausbilden. Man muss dazu sagen, dass die Bäumchen diese Leistung weder in den südlichen Gefilden von Balingen vollbringen, noch beispielsweise im relativ geschützten Talkessel von Ebingen, sondern auf den von eisigen Winden umbrausten Hochflächen des Tailfinger Wohngebietes Stiegel. Dort kann man in strengen Wintern von ferne eher Mammuts vorbeiziehen sehen als Olivenbäume züchten.

? Dennoch dürfen wir uns über eine kleine botanische Sensation freuen: Nach dem warmen Sommer hat eines der Bäumchen doch tatsächlich eine einzige, winzige Olive hervorgebracht. Wenn das so weitergeht, haben wir in zwanzig Jahren genug Früchte, um einen Caprese aufzupeppen.

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Freitag, 14. September 2018 von Holger Much

Meine Mutter ist klasse

Ich bin jedes Mal tief beeindruckt, wenn mir meine Mutter wieder etwas aus der großen Abenteuerwelt der digitalen Möglichkeiten erzählt. In dem Bereich hat sie mir doch einiges voraus.

Egal ob SMS, Whats App oder Skype – sie ist in allen digitalen Kommunikationsmitteln firm. Wenn wir uns auf einen Kaffee treffen, schaut sie mindestens genau so oft aufs Handy wie ich. Auch in Facebook ist sie unterwegs, postet und kommentiert und ist mitten drin in Zuckerbergs faszinierendem Kosmos aus Likes, Memes und mehr oder minder sinnvollen Videos. Das hat auch den Nebeneffekt, dass ich auch in meinem virtuellen Freundeskreis mütterlicherseits nie unbeobachtet bin. Das ist auch besser so, dann benehme ich mich wenigstens nicht daneben.

Nein, ernsthaft, ich freue mich unglaublich, dass die Mama auch in diesem Bereich mit zu meiner kleinen virtuellen Familie gehört und genauso angeregt mit meinen Facebook-Freunden aus ganz Deutschland und darüber hinaus plaudert wie ich.

Während wir in Sachen Facebook oder bei den unterschiedlichen Apps zur Kommunikation noch halbwegs gleichauf sind, schlägt sie mich um Längen. Wenn es um weitere digitale Errungenschaften geht wie Onlinebanking oder Shoppen im Netz, ist sie mir über. Beiden Themen bin ich abhold – sollte ich aber dennoch mal etwas wissen müssen, frage ich meine Mutter. Dann denke ich mir im Stillen für mich, ob ich dereinst in dem Alter auch so up to date sein werde...

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Samstag, 8. September 2018 von Holger Much

Dieser Kuchen bringt Herbst

Drei von vier Jahreszeiten mag ich. Den Frühling mit seinem zarten Erwachsen, den Sommer mit seiner Kraft und Fülle und den langen, lauen Nächten, die einem erlauben, auch nach Feierabend noch draußen zu sitzen, und den Herbst.

Letzterer macht mich allerdings schon etwas melancholisch. Denn bei aller Pracht von bunt gefärbtem Laub, bei der Schönheit goldenen Lichts, das sich in den Morgennebeln bricht, so bedeutet die dritte Jahreszeit doch auch einfach ein langsames Sterben hin zum Winter.

Über solcherlei düstere Gedanken trösten natürlich manche wunderbaren Dinge hinweg wie das eben erwähnte bunte Laub, durch das man raschelnd durch den duftenden Herbstwald laufen kann. Oder die Jahr für Jahr große Faszination von glänzenden runden Kastanien.

Als ich jüngst zur Arbeit fuhr, fiel mir sofort ein großes Schild auf, das vor meiner Nachbarsbäckerei aufmerksamkeitsheischend auf dem Fußweg stand. In großen Lettern war dort zu lesen: „Frischer Rahmzwiebelkuchen“. Und während mir einerseits das Wasser im Munde zusammen lief, vor allem bei der Vorstellung, ein Glas frischen Suser dazu zu trinken, war mit gleichzeitig schmerzlich bewusst: Jetzt ist der Herbst gekommen. Denn der kommt nicht etwa, wenn es im Kalender steht, sondern dann. wenn es Zwiebelkuchen gibt.

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Mittwoch, 22. August 2018 von Holger Much

Die bunten Zecken kommen

I ch gestehe, dass es mich allein bei dem Gedanken ganz kräftig gruselt: Hyalomma heißt die Art Zecken, die eigentlich die Trocken- und Halbtrockengebiete von Afrika, Asien und ganz Südeuropa mögen. Doch nun mögen sie offenbar auch unser deutsches Klima.

In Niedersachsen und Hessen wurden bereits mehrere Exemplare der Parasiten gefunden, die mit einer schaurigen Größe von rund zwei Zentimetern Länge deutlich größer sind als unser Gemeiner Holzbock. Zudem haben die herzigen Tierchen hübsch gestreifte Beine.

Fast allen Tieren gegenüber, vom flauschigen Kaninchen bis zur warzigen Kröte, empfinde ich herzliche Zuneigung. Doch bei Zecken schaudert es mich. Allein die Vorstellung, so ein Tier krabbelt auf mir herum, verursacht mir Grausen. Diese neue tropische Art kann zudem noch Zeckenfleckfieber übertragen. Zudem gelten sie als wichtige Überträger des Krim-Kongo-Fiebers. Ich glaube, ich gehe künftig nur mit Ganzkörper-Schutzanzug spazieren. Oder ich bleibe am besten ganz zu Hause.

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Mittwoch, 15. August 2018 von Holger Much

Ein Plädoyer für Vogelhäuschen

Wir füttern in unserem Garten das ganze Jahr über die Vögel. So wie es der bekannte Vogelkundler Peter Berthold fordert. „Es ist unsere moralische Pflicht, Vögel zu füttern“, sagt er sogar. Ich finde, er hat recht. Eine Studie aus Nordrhein-Westfalen kam bereits 2016 zu dem katastrophalen Ergebnis, dass dort bis zu 80 Prozent weniger Fliegen, Mücken und Käfer leben. Die Vögel finden daher immer weniger Nahrung. Landwirtschaftliche Monokulturen sowie verarmte Gärten mit englischem Rasen und den offenbar immer beliebter werdenden Schotterflächen tragen mit dazu bei.

Nach der aktuellen Nabu-Vogelzählung wurden pro Garten im Schnitt nur 33,3 Vögel gemeldet. Das ist die niedrigste Vogelzahl seit Beginn der Aktion vor 14 Jahren und ein erneutes Minus von über fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der European Bird Census Council meldet, dass in den letzten drei Jahrzehnten die Zahl der Vögel in der Agrarlandschaft in 28 Staaten Europas um mehr als die Hälfte zurück ging. All das bedrückt mich mittlerweile immer mehr und ich versuche, quasi als Tropfen auf dem heißen Stein, wenigstens im privaten Rahmen zu tun, was ich kann. Und füttere Vögel, das ganze Jahr.

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