Dienstag, 4. September 2018 von Dagmar Stuhrmann

Verzweifelte Gläsersuche

Der heiße Sommer bleibt nicht ohne Folgen: Die Natur schüttet ihr Füllhorn in Form einer reichen Zwetschgenernte aus. Die Bäume sind so voll, dass die Äste zu brechen drohen. Da hilft nur, sie von ihrer Last zu befreien und aus den Früchten Kuchen, Kompott und Marmelade zu machen. Ich hatte mich für Letzteres entschieden – sah mich bei der Umsetzung des Plans dann aber mit einem überraschenden Problem konfrontiert. Auf der Suche nach Schraubverschlussgläsern für meine Marmeladekochaktion wanderte ich von Geschäft zu Geschäft. Überall das gleiche frustrierende Bild: Dort, wo die Marmeladegläser stehen sollten, nichts als leere Regale. Im Fachgeschäft meines Vertrauens – wo ich tatsächlich noch ein paar Exemplare ergattern konnte – erfuhr ich, dass die Gläserproduzenten im Moment total hinterherhinken und vor allem die gängigste und gefragteste Gläsergröße nicht geliefert werden kann. Die Händler müssen deshalb ungläubig dreinblickenden Kunden erklären, warum sie keinen Gläsernachschub heranschaffen können. Eine kuriose Erfahrung in unserer Überflussgesellschaft, in der es doch ansonsten von allem immer mehr als genug gibt.

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Donnerstag, 30. August 2018 von Dagmar Stuhrmann

Ein Hoch auf die Smileys

Jeder kennt sie, jeder benutzt sie: die Emojis, diese lustigen kleinen Symbole, die nicht nur Whatsapp-Chats so wunderbar auflockern, sondern auch, wenn man sich's mal richtig überlegt, unsere tägliche Kommunikation einfacher machen. Statt wortreicher Erklärungen dazu, wie es denn nun um die eigene Gefühlslage bestellt ist, genügt ein Daumen-hoch-Symbol oder ein Smiley mit heruntergezogenem Mundwinkel – und schon ist alles klar.

Mit Hilfe der Emojis, die im übrigen immer mehr werden, kann man im digitalen Austausch auch prima Zwischentöne ausdrücken – was manchmal tatsächlich sehr wichtig ist. Das Schriftliche hat nämlich seine Tücken: Der eine meint's ironisch, beim anderen kommt es aber bitterernst an – und schon hat man ein Problem. Hier rettet ein vorab wohlbedachter und gut platzierter Smiley die Sache.

Nicht alle Emojis sind jedoch gleichermaßen beliebt. Ganz vorne auf meiner persönlichen Meist-genutzt-Skala liegt das Daumen-hoch-Symbol. Weltweit gesehen wird aber offenbar der tränenlachende Smiley am häufigsten verschickt. Aber Vorsicht: Während das hierzulande „ich lach mich kaputt“ bedeutet, steht dieses Emoji im Nahen Osten für Trauer.

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Mittwoch, 20. Dezember 2017 von Dagmar Stuhrmann

Es lebe der alte Zeitplaner

Den Arzttermin, die Verabredung mit der Freundin, den Geburtstag des Lieblingsneffen – all das hätte man sich noch vor ein paar Jahren feinsäuberlich handschriftlich in einem Taschenkalender notiert. Heutzutage läuft das freilich anders. Der gut organisierte moderne Mensch nutzt anstelle des Taschenkalenders natürlich sein Smartphone für alles, was er nicht vergessen darf.

In diesem Sinne bin ich aber wohl weder besonders gut organisiert noch modern. Noch bis vor kurzem dachte ich zuweilen sogar, ich wäre wohl der letzte „Dinosaurier“, der irgendwann einmal mit einem Taschenkalender beerdigt wird. Denn mein abgegriffener Timeplaner ist mir lieb und teuer und eine Trennung ist nicht in Sicht.

Umso erstaunter war ich, als ich letztens im Café eine etwa 25-jährige Frau dabei beobachtete, wie sie – das Smartphone auf dem Tisch neben der Kaffeetasse liegend – aus ihrer Handtasche einen ollen papiernen Terminkalender zutage förderte, der meinem Zeitplaner sehr ähnlich sah, aber etwas kleiner war, und wie sie mit einem Kuli irgendetwas in das Ringbuch hineinschrieb. Es gibt sie also doch noch, die Taschenkalendernutzer, sogar bei den U30-ern. Schön, und ein bisschen tröstlich. Es lebe der alte Timeplaner!

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Freitag, 26. August 2016 von Dagmar Stuhrmann

Einkaufen für die Mülltonne?

Es ist eine unvorstellbare Verschwendung: Jedes achte Lebensmittel, das wir kaufen, werfen wir weg. Pro Person und Jahr sind das rund 82 Kilogramm Lebensmittelabfall. Ein Großteil davon wäre vermeidbar, wenn es uns gelänge, nicht in die typischen „Wegwerffallen“ zu tappen. Wir kaufen zu viel und zu planlos ein, die Folge ist ein überfüllter Kühlschrank. Dadurch verlieren wir die Lebensmittel aus dem Blick. Wandert der Joghurt erst einmal nach hinten, hat er gute Chancen, dort zu vergammeln.

Es soll auch immer noch Menschen geben, die Lebensmittel in die Tonne kippen, weil das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist oder es in Kürze abläuft. Dabei müsste sich doch inzwischen herumgesprochen haben, dass dieses Datum nichts darüber aussagt, ob etwas noch genießbar ist oder nicht. Offenbar haben wir obendrein auch noch verlernt, wie man aus Resten etwas Leckeres zaubert. Dabei können aus Äpfeln mit Druckstellen immer noch Apfelkrapfen werden. Pizzareste lassen sich mit Tomaten und Käse am nächsten Tag aufmotzen. Für die Verwertung von altbackenem Brot und Eiern bieten sich arme Ritter an.

Da fällt mir ein: Was mache ich denn mit dem schrumpelnden Paprika im Gemüsefach? Haben Sie da vielleicht einen Tipp für mich?

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Dienstag, 10. Mai 2016 von Dagmar Stuhrmann

Grüße vom Super-Gehirn

Unser Gehirn ist ein Hochleistungsorgan. Was das bedeutet, ist mir erst unlängst bei einem Seminar für Journalisten so richtig klar geworden. Es ging um Hirnforschung. Obwohl es nur zwei bis drei Prozent der Körpermasse ausmacht, verbraucht das Gehirn rund 20 Prozent der Energie, die wir aufwenden müssen, um unseren Körper am Laufen zu halten. Kein Wunder, denn es arbeitet auch sehr viel. Und es arbeitet gern. Andernfalls würde es verkümmern. Die Forscher haben herausgefunden, dass wir beim Lesen die Bedeutung eines Satzes in wenigen Millisekunden erfassen. Ein ungewohntes Schriftbild oder schwierige Wörter führen dazu, dass sich die Lesegeschwindigkeit verringert. Andere Faktoren hingegen erleichtern uns das Lesen. So lassen uns beispielsweise vertraute Begriffe weniger stolpern als Fremdwörter, Aktivkonstruktionen verstehen wir schneller als passive, Konkretes besser als Abstraktes. Kurze Sätze mögen wir lieber als lange. Doch wir dürfen unsere Denkzentrale getrost öfters über die Maßen fordern. Es kann nämlich mehr als wir denken. Wollen Sie testen, was Ihr Gehirn so alles leistet? Und zwar ohne größere Anstrengung? Dann lesen Sie doch einfach mal die folgenden Zeilen: „Gmäeß eneir Sutide eneir elgnihcesn Uvinisterät ist es nchit witihcg in wlecehr Rneflogheie die Bstachuebn in eneim Wrot snid, das Ezniige was wcthiig ist, ist dass der estre und der leztte Bstabchue an der ritihcegn Pstoiion snid.“ Beeindruckend, oder?

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