Donnerstag, 24. Mai 2018 von Gudrun Stoll

Lieber Malle statt pauken

Mit allem hätten die Passagiere wohl gerechnet, aber wohl kaum mit einer Schulschwänzer-Razzia der bayerischen Polizei. Den Gesetzeshütern gingen auf den Flughäfen Nürnberg und Memmingen 20 Familien ins Netz, die lieber in den Pfingsturlaub flogen, als ihre Kinder in den Unterricht zu schicken.

Das Erstaunen über die klare Kante der Polizei ist groß, die reflexartig folgende öffentliche Diskussion hingegen war zu erwarten – und macht wieder einmal sprachlos. Bundeselternrat und die Lehrergewerkschaft GEW üben den Schulterschluss und kritisieren den Einsatz der Polizei als übertrieben. Verständnis wird geäußert an der Haltung der Eltern, die ihren Kids Freibriefe fürs Schulschwänzen ausstellen, weil die Flüge kurz vor dem Urlaub billiger und die Straßen weniger verstopft sind. Obwohl sie ganz eindeutig gegen Regeln verstoßen. Schöne Vorbilder.

Ja wo leben wir eigentlich? Ich ging samstags noch regelmäßig zur Schule, Pfingstferien kannten wir gar nicht. Wer als Familie früher in den Sommerurlaub starten wollte, weil sich die Möglichkeit bot zu einer Reise in ferne Länder, die Kindern kulturell und auch sprachlich ganz neue Horizonte öffnete, holte sich das Einverständnis von Klassenlehrer und Schulverwaltung ein. So, wie es sich gehört. Ein Totschlagsargument aus längst vergangenen Tagen? Mag sein. Aber Lehrerverbände, die Nachsicht dafür zeigen, dass sich Eltern Regeln so zurecht biegen, wie es gerade in ihre Urlaubsplanung passt, überspannen den Bogen. Null Verständnis erntet diese Haltung meinerseits. Zumal wir in Deutschland eh über Autoritätsverlust klagen. Müssen wir uns noch wundern?

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Mittwoch, 23. Mai 2018 von Holger Much

Bücherberg wird unbezwingbar

Da liegt seit langem „Das Labyrinth der Lichter“ von Carlos Ruiz Zafon, der mit diesem Buch die Sage um die Bibliothek der verlorenen Bücher fortsetzte, die er mit „Der Schatten des Windes“ begann. Dann „In Kalabrien“ von Peter S. Beagle, ein Buch, in dem der „Das letzte Einhorn“-Autor seine Liebe für die zarten Fabelwesen neu in Szene setzt, sowie die neu aufgelegte, umfangreiche H.P. Lovecraft-Biographie von S.T.Joshi.

Dann gesellte sich noch das Buch „Seelenübertritte“ von Benjamin Schmidt dazu, eines befreundeten Autors aus Berlin, sowie „Die Ernte des Bösen“ von Robert Galbraith, hinter dem sich eigentlich die schwerreiche Harry-Potter-Autorin Joanne K. Rowling verbirgt, die unter dem männlichen Pseudonym aber herrlich altmodische Krimis um den hinkenden Privatdetektiv Cormoran Strike schreibt.

Wo all das liegt? Auf meinem Nachttisch natürlich. Dort bilden die Bücher einen lockenden, Glück verheißenden Stapel an Lesewonnen, an selbstvergessenen Stunden hinter Buchseiten. Nur frage ich mich so langsam, wann ich all das lesen soll. Meistens schaffe ich es abends gerade noch, mich vom Fernsehprogramm kurz berieseln zu lassen, bevor ich ins Bett falle. Ohne zu lesen. Dennoch tut allein der Anblick all der noch ungelesenen Schätze gut. Man könnte ja, wenn man wollte. Irgendwann einmal...

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Samstag, 19. Mai 2018 von Gudrun Stoll

Denkzettel fürs Leben

Diese Geschichte hat sich in Amerika zugetragen: Mit versteckter Kamera hat National Geographic eine Frau gefilmt, die auf kürzestem Wege in ein Restaurant wollte und ihren Wagen auf einem Parkplatz abstellte, der für Behinderte reserviert war. Wo Knöllchen keine Wirkung zeigen, hilft möglicherweise Selbsterkenntnis: Das TV-Team jedenfalls parkte hinter dem Auto der Frau einen Van, in dem Menschen mit Behinderungen saßen. Danach halfen die Fernsehleute, so langsam wie möglich, den Menschen aus dem behindertengerechten Vehikel. Als die Frau aus dem Restaurant kam, musste sie – peinlich berührt – warten, bis alle Fahrgäste und Rollstuhlfahrer den Wagen verlassen hatten. Eine Lehre hoffentlich fürs Leben.

Die „Hoppla jetzt komm' ich“-Mentalität“ greift auch in unseren Landen immer mehr um sich. Die Sigmaringer Feuerwehr macht nun mit einer Aktion mobil gegen Falschparker und heftet Flyer an die Windschutzscheibe von Fahrzeugen, die Rettungsfahrzeugen die Anfahrt zu Unfällen, Notfällen und Bränden erschweren. „Wir retten Leben – wenn Sie uns lassen“, lautet das Motto auf dem Faltblatt. Ein Denkzettel im wörtlichen Sinne, der sensibilisieren und zum Nachdenken anregen soll. Im eigenen Interesse. Denn wer die Helfer selbst braucht ist froh, wenn diese schnell anrücken.

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Freitag, 18. Mai 2018 von Thomas Godawa

Mitten in den Wolken

V or ein paar Tagen war ich mit einer Besuchergruppe auf der Burg Hohenzollern als Tourist unterwegs. Der Morgen hatte schon mit heftigen Regenschauern begonnen und die Wolken hingen tief und streiften den Trauf der Schwäbischen Alb. Nichtsdestotrotz hatten sich, ebenso wie wir, etliche Menschen auf den Weg gemacht die Hohenzollernburg zu besuchen. Der Regen ließ zum Mittag hin deutlich nach, aber der Wind trieb die Wolken weiter vor sich her. Von den Zinnen der Burg aus gesehen, ein monumentales Schauspiel mit wechselnden Lichteffekten, mal grau bis schwarz, mal sonnendurchflutet. Und zum Nachmittag kamen die Wolken wieder dichter zusammen und sie hingen auch tiefer. Die Wälder dampften, als wären die Hasen am Süpplein kochen und die Schwaden berührten die Mauern der Galerie. So standen wir teilweise mitten in den Wolken mit zerzaustem Haar und flatterndem Schirm, ein wenig wie bei der Geschichte vom fliegenden Robert aus dem Struwwelpeter.

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Donnerstag, 17. Mai 2018 von Holger Much

Ich will lesen, nicht hören

Das Schöne an einem gedruckten Text ist, dass man ihn lesen kann. Wann man möchte, so schnell oder so langsam man möchte. Und vor allem kann man das tun in absoluter Stille, so dass die Gedanken Platz haben, sich auszubreiten und das eben Gelesene aufzunehmen.

Dabei ist es mir zunächst mal egal, ob ich den Text in Form eines Buches, einer Zeitschrift oder online auf einer Webseite lese. Doch letzteres scheint immer mehr aus der Mode zu kommen. Denn immer öfter passiert es mir, dass ich nach einem bestimmten Thema im Netz suche, dann auch fündig werde, mich schon aufs Lesen freue und dann merke, dass da gar kein Text ist, sondern ein Video. Das gilt dann wohl als besonders hip und außergewöhnlich, dem Informationssuchenden bunte bewegte Bildchen samt Ton anzubieten. Doch das möchte ich nicht. Ich möchte weder Filmchen schauen noch irgendjemand zuhören müssen – ich will still und in Frieden vor mich hin lesen dürfen. Doch da bin ich wohl altmodisch.

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