Donnerstag, 18. September 2008

Politik ist überall

Es gibt Zeitgenossen, die wollen mit Politik nichts zu tun haben, weil sie die Materie für zu kompliziert halten. Andere halten Politik für wirkungslos und nur auf Gelaber basierend und wieder andere sehen nur den ständigen Machtkampf um Pfründe. Das eine oder andere mag im Einzelfall ja auch stimmen, aber ohne Politik, die Form der gesellschaftlichen Organisation, wären wir nicht da, wo wir heute sind. Seit den Neandertalern hat sich diese Art der Kommunikation, der Abstimmung und der Kompromissfindung stetig weiter entwickelt. Es gab bereits große Staatsformen, aber natürlich auch Rückschläge, wie man in Deutschland erleben musste. Wie jetzt im Kaukasus-Konflikt nachvollziehbar ist. Aber ohne Politik wären wir auch hier noch mitten im kalten Krieg und hätten gar nicht die Möglichkeit zu verhandeln. Politik ist die Kunst der Kompromisse und da kann es, wie kürzlich in Metzingen passiert, schon zu einem Bürgerentscheid kommen, der den Oberbürgermeister vom Ergebnis her enttäuscht und der dann die Konsequenzen zieht und abtritt. Und doch ist Politik weit mehr als das Abwägen von Für und Wider, sie ist eine kulturelle Leistung unserer menschlichen Intelligenz. Und so ist jeder Ortsverein, jeder Betriebsrat, jede Bürgerinitiative und jeder, der sich sich einbringt, mitmacht, ein Garant für Demokratie. Nicht abwarten und Tee trinken und die anderen machen lassen. Das hätte in Sachen NPD und Straßberg sicher nicht zu einem akzeptablen Ergebnis geführt. Politik und damit auch Demokratie lebt aus der Teilnahme heraus und also ist der Weg das Ziel, um das weiter gerungen wird.

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Mittwoch, 17. September 2008

Schneller als die Uhr

Nicht zu fassen. Sieben Grad blinken am Montagabend auf der Heimfahrt im Bordcomputer des Autos auf. Dabei war auf den September doch immer Verlass - ganz im Gegenteil zum unberechenbaren August. Und nun das: Frühherbst statt Spätsommer. Raus aus der Sommerjeans, rein in den Strickpullover. Fehlt nur noch der erste Wintereinbruch. . .

Oder sollte man es lieber mit jenem Cabriofan halten, der am Sonntag am Donauspitz bei Tuttlingen für Aufsehen sorgte ? Das Fahrzeug mit BL-Kennzeichen erregte Misstrauen bei den Wanderern. Wer stellt sein Auto bei dieser Kälte und im strömenden Regen schon offen ab ? Die Polizei war schnell gerufen, der Fahrer fast gleichzeitig vom Spaziergang zurück. „Cabriowetter“ gebe es nicht, erklärte er den verblüfften Beamten. Und was vom Himmel regne, sei schließlich auch nur Wasser. Auch wieder wahr.

Stellen wird uns also ein auf kältere Tage, noch bevor die Uhr offiziell auf Winterzeit rückt. Legen wir Handschuhe und Schal griffbereit. Auch wenn die Wetterfrösche für die nächste Woche nochmals Entwarnung geben und schönere Tage versprechen. Mit den schönen Abenden auf der Terrasse jedenfalls ist es vorbei. Und wetten dass - auch unser schneidiger Cabriofahrer zu Hause längst die Heizung aufgedreht hat ?

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Dienstag, 16. September 2008 von gelöscht

Lausbub wird zum Regengott

„Ja, ja, jaaaaaaah!“ – ungehemmt und einfach nur mitreißend schrie sich Sebastian Vettel am Sonntag seine Freude aus dem Leib. Formel Langeweile ade, Platz da für erfrischenden Rennsport aller erster Güte. Denn selbst die größten Optimisten hätten vor diesem geschichtsträchtigen Wochenende in Monza einen solchen Coup für unmöglich gehalten. Jetzt dreht das moderne Märchen eine Ehrenrunde nach der anderen. Im Mittelpunkt steht ein Junge, der genauso gut noch irgendwo die Schulbank drücken könnte. Ein unbekümmerter Lausbub mit einem unverschämten Dauergrinsen, als ob seine Mutti Zahnarztfrau von Beruf wäre. Doch der gerade mal 21-Jährige hat es faustdick hinter den Ohren, bringt Talent, Instinkt und Intelligenz ebenso mit wie Fleiß. Beste Verbindungen zum Formel-1-Übervater hat er auch noch. Ob ihm Michael Schumacher die entscheidenden Tipps am Telefon gegeben hat? Wer weiß. Vettels erste Pole-Position im italienischen Regen war bereits der Knaller, der Sieg vor den sportverrückten Azzurri sein Aufstieg in den Sportolymp. Denn mit seinem beherzten Husarenritt schrieb sich der Heppenheimer nicht nur in die Geschichtsbücher als jüngster Sieger aller Zeiten ein. Noch wichtiger vielleicht: Der Underdog hat den Goliaths des Rennsports mit bescheidenen Mitteln das Fürchten gelehrt, und wie. Die Favoriten sahen gegen den stürmischen Youngster kein Land, sondern gingen reihenweise baden. Jetzt heißt es für den neuen Regengott: Nur nicht die Haftung verlieren.

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Samstag, 13. September 2008

Das Glück liegt in Benin

Fünf Millionen Euro? Warum nicht! Aber bitte diskret und anonym, nicht so wie bei Günter Jauchs SKL-Show. Genau um diese Summe ging es dann auch, als mich eine E-Mail aus dem kleinen afrikanischen Staat Benin erreichte. Darin wurde mir von einem angeblichen Rechtsanwalt eine herzzerreißende Familientragödie geschildert, die damit endet, dass genau ich auch den Nachnamen dieser Familie trüge. Er – der Winkeladvokat – habe Zugriff auf das Erbe dieser Benin-Irions, wenn, ja wenn ich mich nur als deren nächststehender Verwandter ausgäbe. Ich bräuchte mich um nichts kümmern, lediglich meine Kontaktadresse melden, anschließend einen mir zugesandten Vertrag unterzeichnen.

War da nicht mal was? Nigeria-Connection, Phishing, Ausspähen von Kontodaten und Kreditkartennummern? Wie ich gerade all diese Warnsignale vor meinem geistigen Auge in den Wind schlage und schon mal die Milliönchen ausgebe, kommt ein Kollege, grinst und fragt. „Na, welche Vornamen-Initialen haben sie bei deinem angeblichen Verwandten genommen? Ach so, auch B.J., genau wie bei mir vor drei Tagen.“

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Freitag, 12. September 2008

Immer nur gute Laune?

Ist Ihnen, liebe Leser, auch schon mal aufgefallen, dass es Zeitgenossen gibt, die stets pfeifenderweise unterwegs sind? Gleich ob im Auto, beim Stadtbummel oder nach dem Sport unter Dusche. Mit der kleinen Melodie auf den Lippen – sei es nun eine alte Schnulze oder der aktuelle Radio-Hit – erwecken sie den Eindruck, permanent gut aufgelegt zu sein. Schön für sie, beneiden die einen. Gibt’s doch gar nicht, mutmaßen die anderen. Immer nur gute Laune? Schier unglaublich! Wagen wir mal einen Vergleich mit der Tierwelt. Vielleicht ist es bei den Immer-Pfeifern ähnlich wie bei den Katzen. Denn mit ihrem sonoren Schnurren vermögen Samtpfoten durchaus Zweierlei zu sagen: „Ich fühle mich gerade behaglich wohl“ oder „Ich bin jetzt ziemlich angespannt.“ Im letzten Fall wollen die Tiere Stress-Situationen durch Schnurren übertünchen und sich durch diesen, nennen wir’s mal Reflex, selbst wieder zur Ruhe bringen. Ob es bei den Pfeifern auch so ist? Eine Feldstudie möchten wir nun nicht anstellen, sondern begnügen uns mal mit einem nachdenkenswerten Zitat aus der renommierten Wochenzeitung „Die Zeit“, wo es heißt: „Pfeifen ist ein Akt aktiv gelebter und konkreter Utopie.“

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