Mittwoch, 7. November 2018 von Gudrun Stoll

Die Jagd ist eröffnet

In Mannheim tobt ein Streit um den Sarotti-Mohr. Zwei alte Werbeschilder hängen seit Urzeiten über der Theke eines Kulturzentrums. Ein örtliches Bündnis, das sich für einen menschenwürdigen Umgang mit Flüchtlingen einsetzt, nimmt nun Anstoß an dem Relikt aus Kolonialzeiten.

Taugt als Zeichen gegen deutschen Alltags-Rassimus und Karawanen-Rhetorik des amerikanischen Präsidenten tatsächlich die Verbannung der Turban und Pluderhosen tragenden Werbe-Ikone in die Asservatenkammer? Die Firma Stollwerck hat schon vor Jahren auf die neuen Zeitläufte reagiert und im Logo den Mohren durch einen „Magier der Sinne“ mit goldener Hautfarbe ersetzt – hoffen wir inständig, dass kein Weltverbesserer darin ein Herabwürdigung asiatischer Bevölkerungsgruppen wittert.

„Die Jagd auf den Sarotti-Mohr“ ist eröffnet. Diesen Titel trägt ein Buch über die Sammelleidenschaft von Menschen. Verlag und Verfasser locken auf dem Cover mit der putzigen Kultfigur. Weg damit auf den Scheiterhaufen der Geschichte? Unter den Flohmarktschätzen schlummert noch mehr Sprengstoff, um unter dem Banner des Gutmenschentums gegen Diskriminierung, Chauvinismus und Frauenfeindlichkeit zu Felde zu ziehen: Alte Emailleschilder mit dem Konterfei rauchender Indianer und Araber, Heile-Welt-Reklame aus den Fünfzigern mit Mutti an Kochtopf und Waschmaschine. Ganz zu schweigen vom HB-Männle mit seinem Faible für Zigaretten. Igitt. Da könnte man ja gleich in die Luft gehen.

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Samstag, 3. November 2018 von Nicole Leukhardt

Der Agent aus der Ananas

Kindermund tut Wahrheit kund – Eltern wissen, dass einen solche Wahrheiten mitunter eiskalt erwischen. Zumindest, wenn das Kind, noch ohne wirkliches Verständnis von gesellschaftlichem Taktgefühl, Beobachtungen ungefiltert hinausposaunt, für die man sich als Mutter spontan das Loch im Boden herbeiwünscht. Man sollte allerdings auch stets aufpassen, was man selbst so von sich gibt. Denn Kinderohren sind noch verdammt gut und hören vor allem das, was nicht für sie bestimmt war. Als mir beim Frühstück neulich ein Stück Ei vom Löffel kullerte, erklärte mir meine Tochter augenrollend: „Du bist manchmal auch nicht die hellste Kerze auf der Torte.“ Sie haben mich selten so sprachlos erlebt. Dass eine Sechsjährige aber oft auch ihr unverständliche Dinge ihrer Lebenswelt einfach anpasst, wurde uns neulich bewusst. Als ich versuchte, ihr zu erklären, wer James Bond ist und anmerkte, dass sie den nicht kennen könne, überlegte sie kurz, runzelte die Stirn und sagte: „Klar kenn ich den. Schehmsbob ist ein Schwamm und wohnt in einer Ananas.“ Geben Sie's zu, darauf wären Sie auch nicht gekommen.

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Freitag, 2. November 2018 von John Warren

Keine Chance für die Drachen

Am Dienstag lief im TV die bekannte Unterhaltungsshow „Die Höhle der Löwen“, bei der mit Andreas Widmann sogar ein Balinger mitmachte (siehe „Balingen“). Die Fernsehsendung gibt es übrigens auch in rund 30 anderen Ländern. Die Geschäftsleute, die die Businessideen der Kandidaten bewerten und bestenfalls finanziell unterstützen, sind international auch als Tiger, Haie oder Drachen bekannt.

Unter dem Titel „Dragon's Den“ lief die Show in Irland. Drei der Geschäftsmänner, die in den vergangenen Jahren bei der Sendung als Investoren dabei waren, traten am Sonntag bei den Wahlen für das Amt des irischen Präsidenten an, der wie in Deutschland hauptsächlich repräsentative Aufgaben erfüllt. Der Unterschied: Der Präsident wird von der Bevölkerung direkt gewählt. Doch trotz dieser demokratischen Möglichkeit, hatte der Wahlkampf auf der grünen Insel einen mehr als faden Beigeschmack. Geradezu absurd, wie die Millionäre um die Gunst der Wähler buhlten.

Gegen den beliebten Amtsinhaber Michael D. Higgins, einem Politiker im traditionellen Sinn, kam allerdings keiner der Drachen an. Lediglich ein Kandidat des Trios – Peter Casey, der im Vorfeld der Wahl mit rassistischen Äußerungen gegenüber Minderheiten auffiel – bekam mehr als 20 Prozent der Stimmen.

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Dienstag, 30. Oktober 2018 von Rosalinde Conzelmann

Die Natur legt vor

Eiskalt erwischt hat es mich am Wochenende. Besser gesagt, meinen Garten. Da ich (ebenso wie meine Pflanzen und Sträucher) immer noch im Sommermodus war, habe ich es nicht übers Herz gebracht, sie abzuschneiden und in den Winterschlaf zu schicken. Und jetzt habe ich den Salat. Wobei, so schlimm ist das Ganze nicht. Die Natur hat mir jetzt eine Menge Arbeit abgenommen. Ich brauche jetzt nur noch einsammeln, was auf dem Boden liegt. Und mein Olivenbaum, das Zitronenbäumchen und die Palme haben den Wintereinbruch gut überstanden. Glück gehabt. Die kommen jetzt ins Winterquartier. Tapfer durchgehalten bis jetzt haben auch meine Geranien. Für sie heißt es jetzt bye bye – ab auf den Kompost. Und ich hoffe auf einen trockenen Tag für meinen letzten großen Arbeitseinsatz im Garten.

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Donnerstag, 18. Oktober 2018 von Holger Much

Der Genuss aus der Pappbox

Oft sind die einfachen Dinge doch die besten Dinge. Ich komme in den letzten Jahren immer mehr auf das vermeintlich Schlichte zurück, lerne das Einfache immer mehr schätzen. Woran das liegt? Ich kann den Grund hierfür offen gesagt nicht wirklich genau benennen. Vielleicht, und das darf ich nun mit dem Überschreiten der 50er-Grenze vielleicht sagen, liegt es einfach daran, dass man mit den Jahren im Einfachen zugleich auch das Wesentliche sieht.

Diese Einstellung kann natürlich zahlreiche Lebensbereiche betreffen, sei es die Wohnungseinrichtung, sei es die Frage, wie und wo – und für wie viel Geld – man seinen Urlaub verbringt. Oder man kann es natürlich auch an Nahrungsmitteln festmachen.

Da ist mir mittlerweile ein Käsebrot oder ein Wurstsalat oft lieber als ein aufwendiges viergängiges Menü.

Oder es ist einfach ein Glas frisch gepressten Apfelsaftes, dessen Geschmack einen in Begeisterung versetzt. Ein Bekannter hat Äpfel im Garten und diese aufgrund der schieren Menge pressen lassen. Nun habe ich eine Fünf-Liter-Pappbox in der Küche stehen und jeder Schluck ist eine Offenbarung.

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