Donnerstag, 13. September 2018 von Gudrun Stoll

Am Dialog hapert's

Mit der Einführung der Berufsarmee haben sich viele Türen geschlossen, die in Zeiten der Wehrpflicht offen standen für den Dialog zwischen Militär und Bürgergesellschaft, Bürgermeistern und Kommandeuren. Wohl kaum hätte es in jenen Zeiten derartige Irritationen über die Präsenz von Soldaten gegeben, die sich derzeit in der stillgelegten Zollernalbkaserne in Meßstetten aufhalten.

Diese Gruppe wurde, wie sich gestern mit einem Anruf beim Kommandanten des Truppenübungsplatzes Heuberg klären ließ, in den Räumen eingemietet, weil die Unterkünfte in Stetten a.k.M. aus allen Nähten platzen. Doch allein schon die Nachricht, dass auf dem Geißbühl Truppenbewegungen beobachtet wurden, löste in Meßstetten helle Aufregung aus. In der Stadt reagiert man sensibel auf alle Nachrichten, welche die Bundeswehr betreffen. Zumal die dürftigen Informationen aus den oberen Etagen von Generalität und Ministerium über eine mögliche Reaktivierung des Bunkers und Rückkehrpläne nach Sigmaringen viel Raum lassen für Mutmaßungen.

Dass nun auch noch bekannt wurde, dass ein großes Manöver von Nato und EU startet, dessen Ausläufer sich bis auf den Großen Heuberg erstrecken, hat die Gerüchteküche in Windeseile befeuert. Die Rathäuser auf dem Großen Heuberg rechtzeitig über diese ABC-Abwehrübung zu informieren, wäre Aufgabe und guter Stil des Landeskommandos Süd gewesen.

Vielmehr noch bewegt aber eine ganz andere Frage: Wenn das Heer ist Stetten a.k.M. über den Augenblick hinaus mehr Kapazität benötigt, wieso bringt der Bund dann die Zollernalbkaserne in Meßstetten nicht unverzüglich wieder in Schuss, anstatt Millionen in Neubauten zu stecken? Ein guter Anlass für unseren Abgeordneten, ganz energisch Druck zu machen.

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Mittwoch, 12. September 2018 von Daniel Seeburger

Schafe schubsen

Da liegt ein Schaf auf dem Rücken und kommt nicht mehr auf. Was machen Sie? Meine beiden Jungs waren beim Deichspaziergang an der Nordsee, nahe der dänischen Grenze völlig aus dem Häuschen. Da lag das arme Schaf wie ein Käfer auf dem Rücken, wackelte mit den Beinen und hat laut geblökt. Meine Vermutung: das Tier verendet. Unter rund 1000 Schafen, die da jenseits des Deiches am Friedrich-Wilhelm-Lübke-Loog die Salzwiesen beweiden, könne es schon mal zu Ausfällen kommen, erklärte der Papa dem Nachwuchs. Am nächsten Tag trafen wir den Landwirt und erklärten ihm die Situation. Der gute Mann hat laut gelacht. Ja, das komme immer mal wieder vor. Das Fell der Schafe sei schwer. Wenn die sich ausruhten, würden die manchmal nicht mehr hochkommen, erklärte er. Dann schubse er die Tiere leicht an – und fertig. Tags drauf lag wieder ein Schaf hinterm Deich. Ich rief meine Jungs zum Schafschubseinsatz. Allein, das Tier wollte partout nicht. Aus dem Schubsen wurde ein Anheben. Der Versuch, das Schaf auf die Beine zu stellen misslang und die Schafschubser gaben völlig außer Atem auf. Aber immerhin lag es nicht mehr auf dem Rücken. Was hatten wir falsch gemacht? Leider war der Urlaub schon am nächsten Tag vorbei und wir trafen den Landwirt nicht mehr. Aber ich habe da so eine Vermutung: Nicht alle Schafe, die liegen, kommen nicht mehr auf. Einige wollen sich einfach mal ausruhen. Und dann kommen da so idiotische schwäbische Touristen . . .

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Dienstag, 11. September 2018 von Nicole Leukhardt

Schlaf gut, Helikopterkind

Kinder sind eine absolute Bereicherung. Daran soll kein Zweifel aufkommen, wenngleich ich vor meiner Mutterschaft eine eher naive Sicht auf manche Dinge hatte. Seit der Geburt meiner Tochter lande ich öfter auf dem Boden der Tatsachen als mir lieb ist. Manchmal sogar beinahe im Wortsinn. Denn wer glaubt, ein Kind im Gräbele liege einfach nur da und kuschle sich allenfalls hin und wieder schutzsuchend, von Albträumen geplagt, an Mamas oder Papas Schulter, hat entweder keine Kinder oder kein Gräbele oder ein schlechtes Gedächtnis. Unsere Fünfjährige im Elternbett entwickelt durch fortwährende Rotation um die eigene Achse das Raumbedürfnis eines landenden Helikopters, dessen Pilot die erste Flugstunde absolviert. Mal liegt ein Kopf auf dem Kissen neben mir, mal Füße. Mal liegen auch Kind und Kissen auf mir. Früher hatte ich eine REM-Phase, heute habe ich eine Ramm-Phase. Die Einzige, die sich morgens genüsslich streckt und von den nächtlichen Exkursionen quer durch zwei Betten und retour nichts mitgekriegt hat, ist meine Tochter. Dafür gab sie mir nach unserer Diskussion neulich, wer in welchem Bett am besten aufgehoben wäre, einen guten Tipp: „Es ist schon ok, wenn ich bei Euch bin. Die Mama müsste sich halt manchmal ein biiisschen dünner machen.“ Na dann – gute Nacht, geliebter Helikopter.

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Samstag, 8. September 2018 von Holger Much

Dieser Kuchen bringt Herbst

Drei von vier Jahreszeiten mag ich. Den Frühling mit seinem zarten Erwachsen, den Sommer mit seiner Kraft und Fülle und den langen, lauen Nächten, die einem erlauben, auch nach Feierabend noch draußen zu sitzen, und den Herbst.

Letzterer macht mich allerdings schon etwas melancholisch. Denn bei aller Pracht von bunt gefärbtem Laub, bei der Schönheit goldenen Lichts, das sich in den Morgennebeln bricht, so bedeutet die dritte Jahreszeit doch auch einfach ein langsames Sterben hin zum Winter.

Über solcherlei düstere Gedanken trösten natürlich manche wunderbaren Dinge hinweg wie das eben erwähnte bunte Laub, durch das man raschelnd durch den duftenden Herbstwald laufen kann. Oder die Jahr für Jahr große Faszination von glänzenden runden Kastanien.

Als ich jüngst zur Arbeit fuhr, fiel mir sofort ein großes Schild auf, das vor meiner Nachbarsbäckerei aufmerksamkeitsheischend auf dem Fußweg stand. In großen Lettern war dort zu lesen: „Frischer Rahmzwiebelkuchen“. Und während mir einerseits das Wasser im Munde zusammen lief, vor allem bei der Vorstellung, ein Glas frischen Suser dazu zu trinken, war mit gleichzeitig schmerzlich bewusst: Jetzt ist der Herbst gekommen. Denn der kommt nicht etwa, wenn es im Kalender steht, sondern dann. wenn es Zwiebelkuchen gibt.

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Freitag, 7. September 2018 von Lydia Wania-Dreher

Ballast abwerfen

Kofferpacken ist eine Kunst für sich. Und ich falle eindeutig in die Kategorie Minimalismus. Das habe ich erst neulich wieder gedacht. Da verstaute ich meine sieben Sachen für ein verlängertes Wanderwochenende in einem Rucksack. Bei jedem Teil überlegte ich mir, ob ich es wirklich brauche, oder ob es nicht auch ohne geht. Und am Ende blieb mal wieder erstaunlich wenig übrig: Kamm und Haarspray braucht kein Mensch in den Bergen – eine einfache Bürste tut es auch. Das kleine 3-in-1-Duschgel ersetzt Seife, Shampoo und Gesichtsreinigung. Und eine warme Jacke reicht vollkommen. So blieb mein Rucksack leicht und mein Rücken freute sich.

Aber auch bei anderen Urlauben packe ich à la Minimal-Art. Oft habe ich den kleinsten Koffer von allen dabei. Statt zig T-Shirts nehme ich lieber Rei aus der Tube mit. Wenn ich dann die großen Taschen der anderen sehe, freue ich mich immer, dass ich nicht so viel Ballast mit mir rumschleppen muss und mit wenig auskomme. Vermisst habe ich bisher übrigens noch nichts. Im Gegenteil, wenn ich nach dem Urlaub alles wieder auspacke, ärgere ich mich über die Dinge, die ich gar nicht gebraucht habe.

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