Freitag, 14. Dezember 2018 von Nicole Leukhardt

Stenkelfeld ist überall

Kennen Sie Stenkelfeld? Stenkelfeld ist ein fiktives Dorf in einem Hörspiel, in dem sich vor allem in der Vorweihnachtszeit Dramatisches in Sachen Dekoration und Brauchtum abspielt. Mittlerweile bin ich mir allerdings sicher, dass Stenkelfeld ein sehr reales Vorbild hat. Denn je näher das Weihnachtsfest rückt, desto unnötiger erscheinen mir auf dem abendlichen Nachhauseweg die Xenon-Scheinwerfer meines Autos.

Ganze Straßenzüge erstrahlen nämlich im gleißenden Licht von Milliarden LED-Birnchen, die sich an Ketten um Einfamilienhäuser ranken. Von der Herbstsonne verblichene Nikoläuse hängen kläglich an Seilen aus Fenstern, vielspännige Rentierschlitten jagen hellblau und rot blinkend durch Vorgärten. Die Dekorationswut nimmt epidemische Züge an, Nachbarn üben sich im Wettrüsten um die spektakulärste, weihnachtliche Fassadengestaltung und kennen dabei keine Geschmacksgrenzen mehr. Als ich an einem mit seinem dicken, runden Hintern wackelnden, in grün, blau und rot blinkenden Plastik-Schneemann vorbeifahre, denke ich fast ein wenig beschämt an meine asketische Weihnachtsdeko, die aus vier Adventskerzen und ein paar weißen Kugeln besteht.

Aber wie heißt es: Advent, Advent, ein Lichtlein brennt. Von 10 000 Watt war nie die Rede.

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Dienstag, 11. Dezember 2018 von Pascal Tonnemacher

Oh, Tannenbaum!

Alle Jahr wieder im Dezember stellt sich die Frage: Wann besorgt man sich einen Christbaum? Vor dem zweiten Advent ist es definitiv zu früh, wird der eine oder andere sagen. Überhaupt einen zu kaufen, lehnt unser Größter, derzeit drei Jahre alt, ohne Begründung ab. Da wir angekündigt hatten, demnächst einen Tannenbaum kaufen zu wollen, den er dann schmücken darf, legte er seinen eigenen Auszug nahe. Er wird dann bei Oma und Opa wohnen, so seine Entscheidung. Was er nicht mit einberechnet hat: Auch seine Großeltern werden selbstverständlich einen großen grünen Baum im Haus stehen haben. Weitere Tage zogen ins Land. Ich holte dann einen Baum, nachdem ich den Großen in die Kita gebracht hatte. Ins Netz gepackt, lehnte er bis zum Mittag an der Hauswand. Natürlich nicht zur Freude des Juniors.

Am Wochenende befreiten wir ihn aus dem Netz, stellten ihn in den Ständer und ließen ihn die Äste entfalten. Schon jetzt glänzten die Augen des großen Kleinen. „Oh, wow, das ist ein cooler Tannenbaum“, sagte er voller Freude. Tja, kann er seine Koffer wieder ausräumen. Frohe Weihnachten, Leander!

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Freitag, 7. Dezember 2018 von Volker Bitzer

Biene Maja wird es danken

Das Frühstück ist für viele Menschen die wichtigste Mahlzeit. Als stärkender Start in den Arbeitstag. Aber auch am Wochenende oder im Urlaub, wenn man – frei von Hektik und ohne auf die Uhr zu schauen – gemütlich am Kaffeetisch verhocken kann. Und während der Zeitungslektüre die frischen Semmeln vom Bäcker genießt. Mit was drauf? Marmelade oder Honig? Beim flüssigen Gold gibt es wohl zwei klar getrennte Lager: Ausgesprochene Honigliebhaber und solche, die mit dem extrem süßen Brotaufstrich gar nichts anfangen können.

Die Zollernälbler verzehrten im vergangenen Jahr rund 214 Tonnen Honig. Diese Zahl nennt die IG Bauen-Agrar-Umwelt. Das entspricht statistisch gesehen 1,14 Kilogramm pro Einwohner. Interessant dabei: Die Bürger im Zollernalbkreis sind dabei exakt auf Augenhöhe mit dem Durchschnittsdeutschen, der 2017 ebenfalls 1,14 Kilogramm (Quelle: Statista.com) Honig verzehrt hat.

Häufig stammt das gelbe oder braune Naturprodukt von regionalen Imkern. Wie lange noch, das ist laut IG Bau offenbar fraglich. „Wenn wir in Zukunft überhaupt noch heimischen Honig essen wollen, dann muss es ein Umdenken in der Landwirtschaft geben“, fordert Regionalleiter Andreas Harnack. Mehr Vielfalt und weniger Einsatz von Chemie lautet dabei die Devise. Wichtig wäre vor allem ein Verbot von Glyphosat. Das Herbizid ist zuvorderst mitverantwortlich fürs zunehmende Bienensterben. Hoffen wir auf Einsicht der Bauern und Politiker, denn wir wollen auch in vielen Jahren noch – so wie heute – den Tag des Honigs feiern.

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Mittwoch, 5. Dezember 2018 von Andreas Westerhausen

Unbeschäftigte?Blinklichter

Zugegeben, ich bin auch kein Held beim Blinken. Aber ich versuche, mich wenigstens an rudimentäre Regeln zu halten wie etwa blinken beim Verlassen des Kreisverkehrs oder abbiegen von der Vorfahrtstraße.

Fahre ich jedoch über Land, dann legt sich der Verdacht nahe, dass die europäischen Autobauer in der Grundausstattung den Fahrtrichtungsanzeiger nicht mehr vorsehen und viele Autofahrer auf diese Feature verzichten. Wofür braucht man ein Blinklicht, wenn es das Bremslicht auch tut?

Inzwischen gehört es zu meinem Erfahrungsschatz, einmal kurz Bremsen bedeutet, der vor mir überlegt, ob er abbiegt. Zwei mal kurzes Bremen soll dem anderen Verkehrsteilnehmer vermitteln: Achtung, ich biege jetzt gleich ab. Und dies alles, obwohl der Fahrlehrer einen in unzähligen Fahrstunden in dem richtigen Gebrauch des Fahrtrichtungsanzeigers unterwiesen hat. Aber vielleicht setzt sich Bremsen ja als neue Fahrtrichtungsänderungsregel im Straßenverkehr durch. Nichts für ungut, ich gelobe Besserung und bemühe mich den unterbeschäftigten Fahrtrichtungsanzeiger, alias Blinker, nach den geltenden Verkehrsregeln einzusetzen.

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Dienstag, 4. Dezember 2018 von Lydia Wania-Dreher

Ein Engel ohne Flügel

Es gibt sie. Die menschlichen Engel, die ganz unverhofft kommen und Licht ins Dunkel bringen. So erreichte uns vor einigen Tagen ein Brief von Marianne Fischer. Sie schrieb uns, dass sie in der Bahnhofstraße in Balingen geparkt hatte und einige Besorgungen machte. Als sie zurückkam, rutschte ihr der Autoschlüssel aus der Hand und fiel zwischen den Eisenstreben hindurch in einen Schacht. „Angesichts von zwei Terminen, die zeitnah wahrgenommen werden wollten, stand ich nun da und eine leise Panik begann sich in mir auszubreiten“, beschreibt sie die Situation. Die Menschen auf dem Gehweg eilten vorbei. Niemand nahm sich ihrer an. In ihrer Not betrat sie das in unmittelbarer Nähe liegende Antalya Kebab Haus. „Alle waren beschäftigt, gleichwohl wurde mir sofort aufmerksam, anteilnehmend zugehört und augenblicklich bahnte sich eine Lösung an“, schreibt Marianne Fischer. Ein freundlicher türkischer Mann angelte kurzerhand mit einem gebogenen Draht den Schlüssel aus dem Schacht. Erleichtert und glücklich konnte Marianne Fischer weiterfahren. Dank einem Menschen, der zuhörte, sich Zeit nahm und half.

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