Donnerstag, 4. April 2019 von Rosalinde Conzelmann

Ein Kissen für das Kissen

Ich habe die gute alte Leinen- und Damastbettwäsche wieder entdeckt und seit einigen Monaten im Gebrauch. Zu meiner Freude sind die Schränke meiner Schwiegermutter noch voll mit ihrer Aussteuer. Alles ist tipptopp gepflegt und zum Teil sogar noch unbenutzt. So kann ich aus dem Vollen schöpfen und habe meine Freude an den edlen Stoffen, die im Sommer kühlen und im Winter wärmen. Und natürlich bekommen auch die Paradekissen einen Platz im Bett.

Offenbar zähle ich damit schon zum alten Eisen, denn eine jüngere Nachbarin fragte mich verwundert, was denn ein Paradekissen ist. Ganz einfach: ein überwiegend weißes, manchmal auch beiges, aufwendig verziertes oder besticktes Kissen, das auf das Kopfkissen kommt und nur schön sein muss. Ach ja, es eignet sich auch hervorragend zum Abstützen beim Lesen im Bett und der Bezug alleine gibt auch eine schöne Tischdecke ab.

Auf der Suche, wie der Begriff Parade, der ja im Militär, im Sport und auch im Schach verwendet wird, seinen Weg zum Kissen gefunden hat – das passt ja irgendwie gar nicht –, habe ich gefunden, dass das Wort 1880 Einzug in den Duden gehalten hat. Allerdings bin ich auf einen frechen Kinderreim gestoßen: „Peter hat ins Bett geschissen, gerade aufs Paradekissen, Mutter hat's gesehen und du musst gehen.“ Also bitte!

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Samstag, 30. März 2019 von Klaus Irion

Verhaspler beim SV Waldhof

Zum heutigen Gegner der Balinger Regionalliga-Kicker, zum SV Waldhof Mannheim, habe ich seit meinem 14. Lebensjahr eine ganz besondere Beziehung. Nicht, dass mir der Verein aus der Kurpfalz über die Maßen am Herzen liegt. Wobei ich seinen kontinuierlichen Abstieg von der Bundesliga in die Regionalliga schon mit einem leicht weinenden Auge verfolgt habe. Es hat vielmehr damit zu tun, dass ich beim Waldhof im Jahr 1984 ein nicht alltägliches Erlebnis hatte. Der damalige Südwestfunk (SWF) hatte in seinem Radio-Jugendmagazin einen Aufruf gestartet, sich als Nachwuchs-Radio-Reporter zu bewerben. Ort des Geschehens sollte das Bundesligaspiel Waldhof Mannheim gegen Bayer Uerdingen sein. Zu meiner Überraschung fand ich mich einige Wochen später auf der Pressetribüne wieder und durfte einige Minuten dieser Partie für den SWF kommentieren. Natürlich nicht live ausgestrahlt, sondern für eine spätere Folge der Jugendsendung. Und das war mein Glück. Denn dass ausgerechnet in meinen wenigen Minuten das 1:0 für Mannheim fallen würde, damit hatte ich nicht gerechnet. Vor lauter Aufregung verhaspelte ich mich am Mikrofon grandios und brachte es damit am Ende zu zweifelhaftem Ruhm. Denn mein Verhaspler muss den SWF-Leuten so gefallen haben, dass er im Jugendmagazin gesendet wurde.

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Freitag, 29. März 2019 von Nicole Leukhardt

Dolce Vita mit Kutterschaufel

Es ist mit nichts anderem vergleichbar, reißt mich jedes Mal mit und lässt mich wehmütig an Urlaube denken: das italienische Lebensgefühl. Als uns die Reiseführerin neulich mit den Worten Benvenuto a Milano in der italienischen Modemetropole begrüßte, fühlte ich mich sofort angekommen. Knatternde und hupende Vespas, ein Campari auf der Piazza del Duomo, Schlendern in der noblen Vittorio-Emmanuele-Passage, elegant gekleidete ältere Damen und Geschäftsmänner im feinen Zwirn, ein Teller duftender Pasta im Navigli-Viertel, das sich trotz der noch frischen Temperaturen erst in den späten Abendstunden mit Gästen füllte – so hatte ich mir Mailand vorgestellt und wurde nicht enttäuscht. Und dann verblüffte mich die Stadt doch. Denn ich beobachtete, wie Mitarbeiter der Stadt, in leuchtendem Orange gekleidet, mit Kutterschaufel und Kehrwisch die Straßenbahnschienen ausfegten. Am Samstagmorgen um halb neun. Kehrwoch in Milano? Schwäbische Tugenden als Exportschlager? Ich seh's lieber andersrum: Kandel kehren ist auch ein bisschen Dolce Vita. Man muss es nur sehen.

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Samstag, 16. März 2019 von Benno Schlagenhauf

Zollernclubs erobern Europa

Leverkusen raus, BVB und Schalke ausgeschieden, selbst die Bayern sind in den europäischen Fußballwettbewerben nicht mehr vertreten. Für viele ist das Anlass genug, einen Abgesang auf den deutschen Fußball anzustimmen.

Aber da ist ja auch noch die Eintracht Frankfurt, die als letztes verbliebenes Team die Fahne der Bundesliga hochhält. Über deren Einzug ins Viertelfinale der Europa League dürfen sich auch drei Fußballteams aus dem Südwesten – darunter zwei Zollernclubs – mitfreuen.

Nach dem Sieg der Frankfurter über Inter Mailand reihte sich in die Liste der Gratulanten auch eine Fanseite des SSV Ulm ein. Die Glückwünsche waren jedoch mit einem bittersüßen Augenzwinkern versehen, denn der Gratulant erinnerte an das DFB-Pokalaus der Eintracht gegen den Regionalligisten. Scherzhaft stellte er folgenden Vergleich auf: „Inter Mailand < Eintracht Frankfurt < SSV Ulm 1846.“

Demnach dürfte sich auch der „Pokalsiegerbesieger“ ein bisschen als Viertelfinalist fühlen.

Doch diese Rechnung kann man noch weiterführen. Schließlich erkämpfte die TSG Balingen kürzlich einen sensationellen Heimsieg im Derby gegen den Ulmer Traditionsclub.

Die TSG verlor wiederum im WfV-Pokal gegen den FC 07 Albstadt. Damit sind auch die beiden Zollernclubs Sieger über Mailand.

Frankfurt sollte also besser den Pott holen. Es geht schließlich nicht nur um den deutschen Fußball, sondern auch um die Ehre des Fußballbezirks Zollern.

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Freitag, 15. März 2019 von Volker Bitzer

Bio grotesk

Es sieht ganz danach aus, als würden die Deutschen zunehmend Wert auf qualitativ hochwertige Lebensmittel legen. Was für unsere Nachbarn in Frankreich oder Italien schon seit jeher gang und gäbe ist, setzt sich langsam aber sicher auch in den Köpfen hierzulande fest: Lieber frisch und möglichst bio als aus der Dose oder dem Glas. Die üblichen Supermärkte und gängigen Discounter haben den Trend erkannt und sich auf den Biozug aufgeschwungen. Die Frage ist nur wie.

Da liegen in transparente Frischhaltefolie eingepackte Biogurken direkt neben den uneingepackten Nicht-Bio-Vertretern. Bio-Bananen sind mit einem bunten Plastik-Klebeband umschnürt, die Normal-Bananen hängen am Haken oder liegen so in der Pappschachtel. Bio-Tomaten werden genauso in Kunststoff-Schalen mit Klarsichtfolie angepriesen wie ihre roten Verwandten ohne den Bio-Aufdruck. Die Spitze des Treibens zeigt sich bei Pomelos. Die Pampelmusen-Verwandten sind häufig in eine schalenenge Folie verschweißt und dann zusätzlich noch in ein Kunststoff-Netz gewickelt.

„Was soll das?“ fragt sich zwangsläufig ein halbwegs kritischer Verbraucher bei diesem Unsinn. Da wird auf der einen Seite mit dem Bio-Siegel geworben und dann andererseits ungeniert Verpackungsmüll generiert. Bio ist gut, dann aber bitteschön vom Produkt bis hin zur Verpackung.

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