Samstag, 23. Juni 2018 von Anna Wittmershaus

Ein echtes WM-Dilemma

Zum ersten Mal beteilige ich mich bei dieser Fußball-Weltmeisterschaft an einem Tippspiel. Davor habe ich nur ab und zu mit meinem Vater mal einen Tipp ausgetauscht. Nun rate ich mit meinen Kollegen aus der Redaktion um die Wette, wie die einzelnen Spiele denn ausgehen. Erst nach der Anmeldung zu dem Online-Tippspiel ist mir aufgefallen, dass ich als Sportredakteurin eigentlich nur verlieren kann. Schließlich bin ich vom Fach, während die anderen sich als Lokaljournalisten schön rausreden können, wenn es nicht gut läuft.

Also sitze ich nun bei jedem Spiel vor dem Fernseher oder habe während der Arbeit immer ein Auge auf den Live-Ticker. Ich muss zugeben, ich schaue jetzt die Spiele anders. Denn nun schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Normalerweise sympathisiere ich gern mit den Außenseitern wie Panama oder Island. Allerdings halte ich Siege dieser Mannschaften nicht immer für wahrscheinlich und habe gegen sie gewettet – und lag damit bislang leider auch oft ordentlich daneben. So sitze ich nun vor dem Fernseher oder PC-Bildschirm und kann mich nicht entscheiden, ob ich zum Beispiel lieber für einen Sieg der Isländer oder für Punkte auf meinem Tippspiel-Konto bin – ein echtes WM-Dilemma, denn es macht viel mehr Spaß die Spiele zu schauen, wenn man mit einer Mannschaft von ganzem Herzen mitfiebert.

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Freitag, 22. Juni 2018 von Holger Much

Hannes, mach's gut

Na sowas. Jetzt habe ich doch glatt den Abschied eines meiner musikalischen Helden verpasst. Denn Hannes Wader hat seine Abschiedstournee gegeben, allerdings bereits im Herbst vergangenen Jahres. Irgendwie ging das total an mir vorbei. Seit sicher 35 Jahren gehören die Musik und die klugen, wunderschön formulierten Texte dieses ganz Großen der deutschen Liedermacherszene zu meinem Leben. Dabei sind es vor allem die stillen, oft melancholischen Stücke wie beispielsweise „Manche Stadt und manch ein Land“, die „Möwe“ oder „Cappuccino 2“, die ihn für mich zu einer wahren musikalischen Ausnahmeerscheinung machen.

Gern erinnere ich mich an einen Abend im Thalia-Theater, als ein junger und ziemlich aufgeregter Redakteur den großen Wader hinter der Bühne interviewen durfte und wir beide dann stundenlang plaudernd hinter der Bühne saßen. Das war eine der wenigen Gelegenheiten, in denen ich es wagte, um ein Autogramm zu bitten.

Nun setzt sich auch er, mittlerweile 75 Jahre alt, zur Ruhe, und ich werde ihn vermutlich nie mehr live sehen. Da schwingt für mich schon Wehmut mit. Hannes, mach's gut.

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Donnerstag, 21. Juni 2018 von John Warren

Verbindung zu den 'Socceroos'

Geben Sie es zu! Sie haben doch bestimmt auch schon mal bei einer Internetsuchmaschine Ihren Namen eingetastet und nach Namensvettern gesucht. Das Resultat mag verblüffen. Da trägt doch glatt ein reicher Geschäftsmann, eine erfolgreiche Sportlerin oder ein Krimineller den selben Namen. Nur in ungünstigen Fällen mag eine Namensgleichheit Nachteile mit sich bringen. Der Frankfurter Medienunternehmer Joachim Löw bekommt aufgrund seines Namens zum Beispiel die besten Hotelzimmer.

Ich gestehe, auch ich habe schon meinen Namen gegoogelt. Neben einem republikanischen Gouverneurskandidaten aus South Carolina, einem Jazzmusiker aus Kanada und einem englischen Rennpferdtrainer findet sich in der Liste auch ein John Warren aus Australien. Der ehemalige Fußballer, der 2004 gestorben ist, führte sein Land bei der Weltmeisterschaft 1974 in der Bundesrepublik Deutschland als Stürmerstar an. Wegen seiner Verdienste um den Sport in seiner Heimat ist sogar der Preis für den besten Spieler der australischen Fußballliga nach ihm benannt. Diese Trophäe werde ich wahrscheinlich nicht mehr gewinnen. Trotzdem wünsche ich der australischen Auswahl, den 'Socceroos', viel Erfolg im heutigen WM-Gruppenspiel gegen Dänemark.

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Mittwoch, 20. Juni 2018 von Lydia Wania-Dreher

Das, was im Kopf bleibt

Was sind Ihre frühsten Erinnerungen? Oft bestehen sie ja nur aus Fetzen oder Bildern, deren Zuordnung schwer fällt. Manchmal ist man sich nicht sicher, ob man sich wirklich an eine Begebenheit erinnert oder diese nur mit Hilfe eines Fotos im Gedächtnis rekonstruiert. Ich habe noch den Duft der Speisekammer meiner Ahne im Kopf. Süß wie Lakritz und ein bisschen muffelig – doch seit vielen Jahren existiert der Geruch nur noch in meiner Erinnerung. Er wird nie mehr wieder kommen, aber ich habe ihn in meinem Kopf ... und ein bisschen auch in meinem Herz. Solche Erinnerungen sind ein Schatz, den man jeder Zeit bei sich hat und den einem niemand wegnehmen kann.

? Doch es gibt auch andere Arten von Erinnerungen. Erinnerungen, die viele Menschen haben. Wie etwa der Anschlag auf die Türme des World Trade Centers 2001. Die Professorin Aleida Assmann forscht zu diesem sogenannten kollektiven Gedächtnis. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Jan Assmann wurde sie nun für ihre Arbeit mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Denn die beiden legten unter anderem wissenschaftlich dar, dass ein offener und ehrlicher Umgang mit der Vergangenheit grundlegende Bedingung für ein friedliches Miteinander ist.

? Als ich von dieser Auszeichnung gehört habe, freute ich mich sehr. Denn ich und wahrscheinlich viele andere habe Erinnerungen an Aleida Assmann. Im Bachelorstudium an der Universität Konstanz verfolgte ich begeistert die Vorlesungen dieser starken Frau. Vor über zehn Jahren sagte eine Kommilitonin zu mir: „Da musst du hin. Sie hat sogar einen Eintrag auf Wikipedia.“ Damals war das eine wirkliche Besonderheit.

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Dienstag, 19. Juni 2018 von Volker Bitzer

Schwäbisch freundlich

Nedd g'scholta isch g'nuog globt. So heißt's. Klar, es ist ja hinlänglich bekannt, dass es der typische Schwabe nicht besonders mit dem Würdigen von Dingen oder Taten hält. Sagt er also gar nix, ist das schon eine recht hohe Anerkennung. Trotzdem erscheinen so manche ruppigen Schwäbisch-Floskeln bisweilen doch ein wenig deplatziert. So zum Beispiel im Restaurant.

? So habe ich in den vergangenen Wochen doch tatsächlich in gleich mehreren unterschiedlichen Gasthäusern vom Bedienpersonal beim Abtragen nach dem Essen ein und dieselbe Frage gehört: „Isch's reacht g'sei?“ Kurz und schmerzlos und offensichtlich überhaupt nicht despektierlich gemeint. Natürlich wollten die Kellner und Bedienungen vielmehr fragen: Hat es Ihnen denn geschmeckt? Oder: War alles in Ordnung und zu Ihrer Zufriedenheit? Sie wählten halt den urig schwäbischen Fragestil.

? Im Nachhinein habe ich mir überlegt, wie es aber wohl wäre, wenn ich im Wirtshaus die obligate Kellner-Nachfrage mit den gleichen Worten beantworten würde: „S'isch reacht g'sei!“ Da würde vermutlich so mancher recht große Augen bekommen.

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